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250 JAHRE HEBAMMENAUSBILDUNG IN HALLE
Hebammen aus ganz Deutschland kommen zu einer Feierstunde
 
Seit 250 Jahren werden Hebammen in Halle ausgebildet. Grund genug für eine Feierstunde der Medizinischen Berufsfachschule an der Medizinischen Fakultät, auf der am 11. Mai 2005, von 15 bis 17 Uhr, an die lange Tradition erinnert wird. Mehr als 100 Hebammen aus ganz Deutschland werden im Hörsaal des Lehrgebäudes (Universitätsklinikum Kröllwitz, Ernst-Grube-Straße 40) in der Saalestadt erwartet.

Hunderte Hebammen wurden in den vergangenen 250 Jahren in Halle ausgebildet, noch viel größer ist die Zahl der Kinder, bei deren Geburt sie halfen. Hebamme war lange Zeit ein Laienberuf und gilt als einer der ältesten in Europa überhaupt. Erst relativ spät wurde die Ausbildung professionalisiert. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden Hebammen im heutigen Sachsen-Anhalt in Magdeburg ausgebildet. Die Universität Halle bemühte sich viele Jahre vergeblich beim preußischen König um die entsprechende Erlaubnis. Denn die Ausbildung in Magdeburg musste von der Stadt Halle bezahlt werden.

Erstmals wurde 1741 die Lehre von der Entbindungskunst - so wurde die Geburtshilfe damals genannt - als ein Aufgabengebiet eines halleschen Professors beschrieben: Philipp Adolf Böhmer, Anatom und Chirurg, kam dieser Aufgabe bis 1777 nach. Allerdings fanden die meisten Geburten noch im häuslichen Milieu statt. Nur bei außergewöhnlichen Komplikationen wurde ein Arzt hinzugezogen. 1808 nahm ein Professor für Entbindungskunst seine Tätigkeit auf. Erst damit wurde die Geburtshilfe ein eigenständiges Fach an der Medizinischen Fakultät der Universität.

Böhmer war es 1755 auch, der einen Antrag bei der preußischen "Kriegs- und Domänenkammer" zur Hebammenausbildung in Halle stellte. "Halts vor das Nützlichste eine ordentliche Hebammenschule an zulegen, so darinnen bestehet, dass alle hiesigen Hebammen nebst ihren Beyweibern einmal in der Woche zu einer gewissen Stunde sich in meinem Haus versammeln, ..., damit die selben die ganze Hebammen Kunst und deren Lehrsätze von Stück zu Stück durch gründlichen Unterricht erlernen", hieß es in seinem Antrag. Dieser wurde zwar abgelehnt, Böhmer allerdings gleichzeitig aufgefordert, unentgeltlich als Hebammenlehrer in Halle tätig zu sein. Am 17. Februar 1755 begann der erste Ausbildungskurs und damit die Tradition der institutionalisierten Hebammenausbildung in der Stadt. 1810 wurde dann ein Hebammeninstitut zur Ausbildung eingerichtet. Damals ging der Unterricht über fünf Monate.

In den vergangenen Jahrhunderten hat sich die Geburtshilfe und die Arbeit der Hebammen stets weiterentwickelt. Den gebärenden Frauen stehen heute am Universitätsklinikum verschiedene Formen der Geburtshilfe zur Verfügung - die Hebammen können individuell auf die Bedürfnisse der Frauen eingehen. Die Nähe zu den Ärzten macht außerdem in medizinischen Notlagen ein schnelles Eingreifen zum Wohle des Kindes möglich.

Auch heute werden Hebammen in Halle ausgebildet. "Der Andrang ist nach wie vor sehr groß", berichtet Dipl. Medizinpädagogin Marion Treder, Leiterin der Hebammenschule. Aus dem gesamten Bundesgebiet treffen Bewerbungen ein. Mehr als 1 000 junge Frauen bewarben sich im vergangenen Jahr - für gerade einmal 20 Plätze. Erst ein Mann hat sich in den vergangenen Jahren um einen Ausbildungsplatz beworben, doch die Berufsausbildung nie angefangen.

"Es ist der schönste Beruf, den es gibt", sagt die langjährige Lehrerin für Hebammenwesen, die sich intensiv um die Weitergabe ihres Wissens an den Berufsnachwuchs bemüht. Die hallesche Universität hat in den 250 Jahren Hebammen ausgebildet, allerdings nicht kontinuierlich. Seit 1957 werden die Hebammen an der Medizinischen Berufsfachschule beziehungsweise der Vorgängereinrichtung an der Medizinischen Fakultät unterrichtet. Bundesweit gibt es 56 Einrichtungen, die Hebammen ausbilden.

Insgesamt werden derzeit in der Medizinischen Berufsfachschule an der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg etwa 500 Schüler in den verschiedenen Pflege-, Therapie- und Assistenzberufen ausgebildet.

Nähere Auskünfte:
Jens Müller
Pressereferent
Klinikum der Medizinischen Fakultät
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
06097 Halle (Saale)
Telefon: 0345 55-71032
Fax: 0345 55-75749
E-Mail: jens.mueller@medizin.uni-halle.de
 
  Ingrid Godenrath, 03.05.2005
 
     
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