Informationen zur Personalsituation an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg angesichts des Haushaltsplanentwurfes der Landesregierung für 1999

(Nach Vorlage des definitiven Entwurfes zum Einzelplan 06, präzisierte Fassung vom 17. November 1998)
 
 
In die folgenden Berechnungen gehen Schätzwerte und Projektionen auf der Basis des derzeitigen Kenntnisstandes ein. Es geht deshalb im folgenden um Größenordnungen, nicht um detailgenaue Zahlenangaben.
 
1.   Die Martin-Luther-Universität verfügt 1999 über 2612 Haushaltsstellen für Beamte, Angestellte und Arbeiter. Aufgrund des Finanzdeckels, des Barlebener Beschlusses und des seit Oktober wirksamen Einstellungsstops werden nach gegenwärtigem Stand am Jahresende lediglich 2462.4 Stellen besetzt sein. 65.5 Professorenstellen (C3/C4) und 84,1 weitere Personalstellen werden dann nicht besetzt sein.
       
2. (a) Unter Zugrundelegung der voraussichtlichen Kosten für die besetzten 2462.4 Stellen zuzüglich der durchschnittlichen Kosten für 65.5 C3/C4-Stellen (à 100 TDM) und 84.1 weitere Personalstellen (à 60 TDM) ergibt sich für den ausfinanzierten Stellenplan 1999 ein geschätzter Finanzbedarf von: 
212.781 Mio. DM 1
       
  (b) Wenn lediglich der reduzierte Ist-Personalbestand von 2462.4 Stellen erhalten wird, ergibt sich für das Jahr 1999 daraus bereits ein Finanzbedarf von: 201.185 Mio. DM 2
       
  (c) Der Haushaltsplanentwurf der Landesregierung sieht aber für 1999 nur vor: 
196.594 Mio. DM 3
       
   
Fehlbetrag (a) - (c) 
-16.187 Mio. DM
   
Fehlbetrag (b) - (c) 
-4.591 Mio. DM
     
3.   Wenn nicht weitere freiwerdende Professorenstellen gesperrt werden sollen, müßten aufgrund des vorliegenden Haushaltsplanentwurfes also 4.591 Mio DM bei den wissenschaftlichen und sonstigen Mitarbeitern eingespart werden. Das hieße, daß ca. 76.5 weitere Mitarbeiterstellen ganzjährig nicht besetzt werden dürften. Weil diese Stellen aber zu Jahresbeginn alle besetzt sind und allenfalls sukzessive im Laufe des Jahres frei werden, wird man einen Jahresmittelwert ansetzen müssen. Danach dürfen im kommenden Jahr 2 x 76.5, also: 153 freiwerdende Mitarbeiterstellen ganzjährig nicht wiederbesetzt werden. Da zum Jahresende 1999 weitere 34 Stellen an das Land zurückgegeben werden müssen, verschärft sich das Problem weiter: Es müßten 187 freiwerdende Stellen ganzjährig gesperrt werden. Nach Lage der Dinge müßten das fast ausschließlich Stellen für den wissenschaftlichen Nachwuchs sein, die turnusgemäß zur Nachbesetzung anstehen.
     
4. (a) Es liegen im Augenblick 16 Anträge und 10 Interessenbekundungen für Altersteilzeit vor. Selbst unter der (eher unwahrscheinlichen) Voraussetzung, daß sie sich alle im Laufe des Jahres 1999 realisieren ließen, ergäbe sich daraus allenfalls eine ganzjährige Kostenentlastung von ca. 5 Mitarbeiterstellen.
     
  (b) 10 befristet besetzte Mitarbeiterstellen werden 1999 aus Altersgründen frei. Im Jahresschnitt würde - bei Sperrung dieser Stellen - ebenfalls eine Kostenentlastung von ca. 5 Stellen entstehen.
     
  (c) Damit werden in der Tat die wissenschaftlichen Nachwuchsstellen (C1/C2/IIa) zur hauptsächlichen Einsparungsmöglichkeit: 1999 werden 88.1 Qualifikationsstellen frei, in weiteren 103.5 Fällen stehen Vertragsverlängerungen an. Eine Tabula rasa bei der Nachbesetzung von wissenschaftlichen Mitarbeitern, Assistenten und Oberassistenten würde somit nochmals eine Kostenentlastung von ca. 90 Stellen bedeuten.
     
  (d) Schließlich wäre es auch noch denkbar, alle zur Aufrechterhaltung der Lehre befristet abgeschlossenen Verträge mit Vertretungsprofessoren (19 Fälle) auslaufen zu lassen - ein Desaster.
     
5.   Die Martin-Luther-Universität behält sich vor, für einzelne, besonders studentenstarke Fächer ( z. B. Pharmazie, Betriebswirtschaftslehre, Biologie) Berechnungen vorzulegen, die die Folgen eines solchen Kahlschlages für die Aufrechterhaltung des regulären Lehrbetriebes besonders drastisch vor Augen führen.
     
6.   Vor diesem Hintergrund ist nun die gegenwärtige Gesamtlage des wissenschaftlichen Mittelbaus an der Martin-Luther-Universität zu sehen:
       
  (a) Laut Entwurf zum Stellenplan für 1999 verfügt die Martin-Luther-Universität (ohne Medizin) ab 1.1.99 über die folgende Anzahl von befristet zu besetzenden Nachwuchsstellen: 
650 Stellen 4
       
  (b) Aufgrund der Deckelung der Personalkosten, der 4-monatigen Nachbesetzungssperre und des seit Oktober geltenden lokalen Einstellungsstops sind davon Ende 1998 bereits unbesetzt: 
-87,5 Stellen
       
  (c) Von den somit Ende 1998 besetzten 545,5 Qualifikationsstellen sind aufgrund der strukturellen Fehlbesetzungproblematik dauerhaft besetzt und damit für den wissenschaftlichen Nachwuchs blockiert: 
-198,5 Stellen (5)
       
  (d) Das bedeutet, daß am 1.1.1999 an der Martin-Luther-Universität nur noch die folgende Zahl von Nachwuchsstellen "richtig" - also: mit befristet beschäftigten Wissenschaftlern - besetzt ist: 
364 Stellen
       
7.   Wenn von diesen 364 "richtig" besetzten Stellen alle die oben unter Punkt 4 (c) genannten 191,6 Stellen, die im Jahre 1999 freigemacht werden können, ebenfalls gesperrt werden müßten, wären an der Martin-Luther-Universität nur noch 26,5% mit wissenschaftlichem Nachwuchs besetzt, nämlich: 
172,4 Stellen 
     
8.   Die Martin-Luther-Universität kann eine solche Entwicklung nicht ruhig hinnehmen.
 
 (1) Diese Summe betrifft lediglich die Haushaltsstellen für Beamte, Angestellte und Arbeiter. Mittel für Lehrbeauftragte, Hilfskräfte, Azubis, ABM usw. sind hier nicht einbezogen.
 (2) Bei dieser Berechnung ist die z. Zt. geltende 4-monatige Wiederbesetzungssperre für Qualifikationsstellen zugrunde gelegt. Eventuelle Tariferhöhungen sowie Beförderungen sind nicht berücksichtigt.
 (3) Titel 42201 (Beamte), 42501 (Angestellte), 42601 (Arbeiter)
 (4) 104 Oberass./Obering. (C2), 305 wiss. Mitarbeiter (IIa befr.) Quelle: Entwurf der Beilage zum Einzelplan 06 für das Haushaltsjahr 1999, S. 14f, Spalten 6,7,21
 (5) 113,5 dieser Stellen sind darüber hinaus auch noch von fachlich fehlqualifiziertem Personal besetzt, z.B. wenn ein Landwirt auf einer Assistentenstelle der Juristischen Fakultät geführt werden muß.
 
 
(Prof. Dr. Reinhard Kreckel, Rektor , 17. November 1998)

Siehe auch die Pressemitteilung
"Akademischer Senat kündigt öffentlichen Protest an."
 
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