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ÄLTESTES SONNENOBSERVATORIUM EUROPAS ENTDECKT
Grabungen bei Goseck liefern archäologische Sensation
 
 
Bereits 3000 Jahre vor Stonehenge errichteten in Mitteldeutschland frühe bäuerliche Gemeinschaften eine monumentale Anlage, die zur Beobachtung astronomischer Phänomene diente. Der Fundort dieser Anlage liegt zwischen Weißenfels und Naumburg über dem Saaletal in unmittelbarer Nähe der Gemeinde Goseck, circa 20 km Luftlinie vom Mittelberg, dem Fundort der Himmelsscheibe von Nebra.

Die Anlage beeindruckt durch einen Kreisgraben von rund 75 m Durchmesser, der konzentrisch im Innern von zwei Palisaden begleitet und an drei Stellen durch aufwendig gestaltete Tore unterbrochen ist. Prof. Dr. Wolfhard Schlosser vom Institut für Astro-Physik der Universität Bochum konnte nachweisen, dass zwei der drei Tore exakt den Punkt des Sonnenaufgangs bzw. -untergangs zur Wintersonnenwende am Beginn des 5. Jahrtausends v. Chr. markieren.

Somit bestätigt diese Kreisgrabenanlage von Goseck, dass auch bereits für die ersten agrarisch geprägten Gesellschaften Europas, die Festlegung markanter Fixpunkte der Jahreszyklen von größter Bedeutung war. Wie die ca. drei Jahrtausende jüngere Himmelsscheibe von Nebra zeigt, waren von Anfang an astronomisches Wissen mit mythologisch-kosmologischen Vorstellungen verknüpft. Dadurch gewährt die Anlage von Goseck ebenfalls Einblicke in die geistig-religiöse Welt der ersten Bauern Europas.

Grabungsstelle
mit dem Südosttor
der Kreisgrabenanlage

Das bislang bei den Grabungen geborgene archäologische Material datiert in die frühe stichbandkeramische Kultur und kann absolut-chronologisch zwischen ca. 5000 und 4800 v. Chr. angesiedelt werden. Somit steht Goseck am Anfang einer Reihe vergleichbarer gewaltiger Erdwerke des europäischen Neolithikums, die - obwohl heute weitgehend eingeebnet - zur frühesten Monumentalarchitektur Europas gehören und erst um ca. 1500 v. Chr. auf den britischen Inseln mit dem bekannten Henge-Monuments ihr Ende fanden. Derartige Anlagen markieren meist die Zentren großer Siedlungsgebiete und zeichneten sich aufgrund ihrer prominenten, weithin sichtbaren Lage in der Landschaft aus. Weiterhin weisen bewusste Deponierungen und Reste von Opferungen auf die eminente Bedeutung dieser Denkmäler als zentrale Kult- und Versammlungsplätze hin.

Die archäologischen Untersuchungen werden im Rahmen des von Prof. François Bertemes geleiteten internationalen Projektes "Archäologie Multimedial. Die Grabung Goseck" vom Institut für Prähistorische Archäologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in Kooperation mit dem Landesamt für Archäologie Sachsen-Anhalt und dem Multimedia Authoring Center for Teaching In Anthropology der University of California Berkeley durchgeführt.

Fundgeschichte

Die Gosecker Kreisgrabenanlage wurde bereits in den 90er Jahren während Befliegungen entdeckt und durch Luftbilder dokumentiert. Anschließende geomagnetische Prospektionen konnten die auf den Luftbildern erkennbaren Befunde bestätigen und zusätzlich weitere Strukturen nachweisen. In Sachsen-Anhalt war bislang als vergleichbarer Fundplatz nur die jüngere Anlage von Quenstedt, Kr. Hettstedt, mit fünf konzentrischen Palisadenringen bekannt.

Die laufenden Ausgrabungen

Die diesjährigen Ausgrabungen finden als Lehrgrabung vom 22. Juli bis zum 22. August 2003 mit logistischer und personeller Unterstützung durch das Landesamt für Archäologie Sachsen-Anhalt statt. An der Lehrgrabung nehmen neben den Studenten der Institute für Prähistorische Archäologie, der Klassischen Archäologie und der Orientwissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Studenten des Institutes für Archäometrie der Technischen Universität Freiberg teil. Zusätzlich wird er Bereich "Neue Mengen'' zeitweise durch ein amerikanisches Team unter Leitung von Prof. Ruth Tringham von der University of California Berkley unterstützt.

Popularisierung der Archäologie durch Multimedia

Die Veröffentlichung und Präsentation der Ergebnisse der archäologischen Untersuchungen über traditionelle Medien wird verstärkt durch den Einsatz neuer elektronischer Medien ergänzt. Durch die multimediale Aufarbeitung sollen Möglichkeiten einer zeitgemäßen Beschäftigung mit regionaler Geschichte und Denkmälern geschaffen werden und versucht werden, archäologische Arbeit für die Öffentlichkeit transparenter zu gestalten. Eine währen der Grabung online geschaltete Webcam wird der interessierten Öffentlichkeit ermöglichen, den Fortgang der Arbeiten unmittelbar verfolgen zu können.

Das weitere Programm

Es ist geplant, innerhalb der nächsten zehn Jahre die komplette Kreisgrabenanlage sowie weitere Denkmäler der Mikroregion interdisziplinär zu erforschen, um ein möglichst umfassendes und detailliertes Bild der urgeschichtlichen Landschaft um Goseck zu gewinnen.

Nähere Informationen:
Prof. Dr. François Bertemes
Institut für Prähistorische Archäologie
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Brandbergweg 23c
06099 Halle (Saale)
Internet: http://www.praehist.uni-halle.de, http://www.theorie-ag.de
Tel: 0345 55-24058, Fax: 0345 55-27057
E-Mail: bertemes@praehist.uni-halle.de
 
 
  07.08.2003, Dr. Margarete Wein
 
     
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