Verleihung der Ehrendoktorwürde an Prof. Dr. Emil L. Fackenheim

Für seine wissenschaftlichen Verdienste auf den Gebieten der Philosophie und jüdischen Theologie sowie sein persönliches Engagement für das kritische Verständnis der deutsch-jüdischen Geschichte verleiht die Philosophische Fakultät der Martin-Luther-Universität am 12. Mai 1999, die Ehrendoktorwürde an Prof. Dr. Emil L. Fackenheim. Die Ehrenpromotion findet 11:00 Uhr, in der Aula des Löwengebäudes, Universitätsplatz 11, statt. Den Festvortrag hält der Ehrendoktor zum Thema
" 'Träge' Messias-Hoffnung und 'weltgeschichtliche' Rückkehr: Nachdenken über Hegel und Jerusalem".

Geboren im Kriegsjahr 1916 in Halle, als Sohn eines jüdischen Rechtsanwalts und Notars, nimmt Fackenheim 1935 in Berlin ein Studium an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums auf. Im März 1937 schreibt er sich zusätzlich an der halleschen Alma mater ein und belegt die Fächer Orientalia, Philosophie und Religionsgeschichte zum Alten Testament. Den Vorlesungen zur Philosophie bei Prof. Paul Menzer und Prof. Otto Eißfeldt gilt sein besonderes Augenmerk. Als letzter jüdischer Student der Philosophischen Fakultät der Martin-Luther-Universität muß er am 2. November 1938 die akademische Stätte verlassen. Fackenheim wird exmatrikuliert, nach der Progromnacht vom 9. November 1938 verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt. Nach seiner Entlassung im März 1939 gelingt Emil L. Fackenheim am 12. Mai 1939 die Flucht zunächst nach Schottland und später nach Kanada. In Toronto nimmt er 1941 sein Philosophiestudium wieder auf und wird 1960 von der University of Toronto zum Professor für Philosophie ernannt. Seit 1983 lebt Professor Fackenheim in Jerusalem.

Auf dem Gebiet der Philosophie als auch der jüdischen Theologie liegen die außerordentlichen Verdienste des Wissenschaftlers Fackenheim. Zur ersten Periode seines Werkes gehören Arbeiten über die arabische und mittelalterliche jüdische Philosophie. Die zweite Schaffensperiode gilt dem deutschen Idealismus, wobei vor allem Schelling, Schlegel, Kant und Hegel eine Rolle spielen. Im dritten Abschnitt, der in der Mitte der 60er Jahre beginnt, kreist das Denken von Fackenheim um den Holocaust, die Shoah, die bei ihm zur materia philosophica wird.

Die Ehrenpromotion für Professor Fackenheim steht auch für die erneuerte Verbindung mit der halleschen Universität, die ihm 1938 das Studium verwehrte. Gerade deshalb ist der 12. Mai 1999, der 60. Jahrestag der Vertreibung aus seiner Geburtsstadt Halle, ein bedeutungsvoller Anlaß, den Gelehrten und Menschen Emil L. Fackenheim mit der Würde eines Doktors der Philosophie ehrenhalber auszuzeichnen.

Die Stadt Halle beabsichtigte, zu Ehren an den Vater und den Onkel von Prof. Dr. Fackenheim, Adolf Goldberg, den die Nazis 1942 ermordeten, eine Gedenktafel im Gebäude Große Steinstraße 12, anzubringen. Beide führten dort als Rechtsanwälte und Notare bis zu ihrem Berufsverbot eine gemeinsame Kanzlei.
Leider scheiterte dieses Vorhaben an dem Veto der jetzigen Hauseigentümer.

(Annette Winkelmann, Ingrid Godenrath, 21. April 1999)

Ansprechpartner:
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Fachbereich Kunst-, Orient- und Altertumswissenschaften
Prof. Dr. Giuseppe Veltri
Tel.:(0345) 55 240 60/71
Fax: (03459 55 271 23
e-mail:veltri@orientphil.uni-halle.de


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