Industrielle Fertigungsanlagen sind in Beschaffung und
Unterhalt teuer, genauso wie deren Wartung und Pflege. Deshalb
drängt die Industrie seit langem auf die Entwicklung neuer
Prozessabläufe und Technologien, in denen Stückgutproduktionen
effizienter und kostengünstiger erfolgen. Im Kooperationsprojekt
„EnAS – Energieautarke Aktor- und Sensorsysteme“ suchen Wissenschaftler
der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg mit verschiedenen
Kooperationspartnern aus Forschung und Industrie eine Möglichkeit,
diesem Ziel näher zu kommen. Aufgabe der halleschen Ingenieure
und Informatiker ist es, Steuerungsmodule mit einer
völlig neuen Entwurfsmethodik zu entwickeln.

Das Team um Prof. Dr. Hans-Michael Hanisch prüft
das Studienmodell mit den separaten, jedoch noch verkabelten
Steuerungseinheiten. Fotos: Paolo Schubert |
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Kostengünstig und flexibel
Heutige Fertigungsanlagen übertragen ihre Informationen –
zum Beispiel Daten zum Materialfluss oder Wartungs- und Produktparameter
– über kabelgebundene Sensoren. Diese Kabelsysteme müssen
häufig an schwer zugänglichen Stellen platziert werden und
sind im Falle eines Schadens mit hohen Instandsetzungskosten
verbunden. „Ziel des Projektes ist es deshalb, Produktionsanlagen
zu entwickeln, deren einzelne Produktionsabschnitte – eingeteilt
in separate Module – drahtlos vernetzt miteinander kommunizieren“,
erklärt Prof. Dr. Hans-Michael Hanisch vom Institut für Informatik
an der MLU. Im modulartigen Aufbau
sieht der Projektleiter Vorteile. „Die Aufteilung gewährt
Flexibilität und Möglichkeiten eines schnelleren Umbaus oder
einer problemlosen Erweiterung der Anlagen. Jede Einheit soll
mit einer separaten Steuerungseinheit ausgestattet werden
und so weitestgehend autonom arbeiten. Fällt dann ein Modul
auf Grund eines Fehlers im Produktionsprozess aus, muss nicht
mehr die gesamte Anlage gestoppt werden. Das spart Zeit und
vor allem Geld.“
Dabei solle der Einsatz von Funk zur Datenübertragung nicht
als Ersatz für eine Verkabelung verstanden werden; eher eröffne
diese Art der digitalen Vernetzung neue Spielräume, gerade
hinsichtlich der Bestückung von beweglichen Teilen und der
Verfügbarkeit von Informationen. „Außerdem soll diese Technik
auch für solche Unternehmen erschwinglich sein, die kleinere
oder mittlere Stückzahlen herstellen.“
Hochschulen teilen sich Forschungsarbeit
Die Hochschulen, Einrichtungen und Unternehmen teilen sich
die Forschungsarbeit. Die halleschen Wissenschaftler programmieren
die erforderliche Software für die eigens hierfür entwickelten
Steuerungseinheiten nach einem neuen internationalen Standard
(IEC 61499). „Erste Testläufe am Studienmodell haben ergeben,
dass unsere Geräte zuverlässig arbeiten, jedoch sind sie
derzeit noch durch Kabel miteinander verbunden.“ Das technische
Know-how zur drahtlosen Vernetzung komme von der hamburgischen
Helmut-Schmidt-Universität und werde nachträglich installiert.
Weiterhin sieht das EnAS-Konzept vor, alle Anlagen mit möglichst
wenig Energieaufwand zu betreiben. „Auch das wollen wir
mit Hilfe der intelligenten Funknetze erreichen“, erklärt
Hanisch weiter. „Eine energieoptimale Versorgung der Sensoren
und Aktoren kann theoretisch über Solarzellen, thermische
Energiewandler, aus den pneumatischen Systemen oder aus
Vibrationen der mechanischen Teile erfolgen. Entsprechende
Lösungen haben die Mitarbeiter der EnOcean GmbH bereits
entwickelt und bei den regelmäßig stattfindenden Treffen
der Projektteilnehmer im Esslinger Stammsitz des Festo-Unternehmens
vorgestellt. Festo ist eines der führenden Unternehmen für
Fertigungsautomatisierung und koordiniert das Projekt.“
Die TEG entwickelt innovative Energiewandler; die TU Ilmenau
unterstützt das Projekt vor allem mit Forschungen im Bereich
der Mikroaktorik.

Erste Teile des Gesamtdemonstrators sind bereits
installiert. |
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Funktionstüchtiger Gesamtdemonstrator
Die Arbeit wird von der Industrie und dem Bundesministerium
für Wirtschaft und Technologie im Rahmen des Programms „next
generation media“ finanziert und gefördert. Dieses Programm
soll gemeinschaftliche Forschungen zur intelligenten Vernetzung
von Mensch und Technik vorantreiben und Lösungen für neue
Technologien und Prozesse bereitstellen.
Kontakt und weitere Informationen
Prof. Dr.-Ing. Hans-Michael Hanisch
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Institut für Informatik
Lehrstuhl für Automatisierungstechnik
Kurt-Mothes-Str. 1
06120 Halle (Saale)
Telefon: +49 (0)345 55-25970
Telefax: +49 (0)345 55-27304
E-Mail:
hans-michael.hanisch@informatik.uni-halle.de