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BEEINDRUCKENDE DOKUMENTATION
ZUR TRAGÖDIE DES ARMENISCHEN VOLKES

Dreiteilige große Edition der Dokumente und Zeitschriften des Dr. Johannes-Lepsius-Archivs Halle zum Völkermord an den Armeniern und zum internationalen Armenierhilfswerk abgeschlossen
 
Am 24. April jedes Jahres gedenken Armenier zusammen mit Angehörigen des deutschen Vol­kes und vieler anderer Nationen der Opfer des Völkermords an den Armeniern in der Osmani­schen Türkei im Jahre 1915. Das Dr. Johannes-Lepsius-Archiv an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg doku­men­tiert mit seinen Beständen in umfangreicher Weise die Tragödie des armenischen Vol­kes, die Beziehungen zwischen Deutschland, Armenien und der Türkei sowie die internatio­nale Armenier­hilfe.

In der nun vollendeten Edition "Deutschland, Armenien und die Türkei 1895-1925" des renommierten K. G. Saur Verlags München sind die Materialien des Dr. Johannes-Lepsius-Archivs erstmals umfassend veröffentlicht.
Das dreiteilige Werk, von der Volkswagen Stiftung als Projekt über mehrere Jahre gefördert, wurde von der Martin-Luther-Universität mit einem erheblichen Druckkosten­zuschuss unterstützt. Sie besteht aus einem detaillierten Katalog von Dokumenten, Korrespondenzen und Zeitschriften, einer umfängli­chen Mikrofiche-Edition des Archivs und einem Lexikon, welches das Archiv sachthematisch erschließt. Damit ist die Trilo­gie dieser ungewöhnlichen, historisch und aktu­ell-politisch wichtigen Archiv-Edition abgeschlos­sen.
Die Publikation eröffnet erstmals viele bis heute unbekannte Dokumente zu Fakten und Hinter­grün­den des Schicksals des armenischen Volkes sowie der internationalen Hilfsaktionen für dessen Überleben.

Der Katalog verzeichnet alle Materialien des Archivs, darunter die weitgefächerte internatio­nale Korrespondenz von Lepsius sowie die offiziellen Papiere und Publikationen seines Ar­menien-Hilfswerkes. Der Band umfasst außerdem eine detaillierte Bibliographie aller Artikel der von Lepsius und seinem Hilfswerk herausgegebenen Zeitschriften, die heute fast voll­ständig ver­schollen sind.

Die Mikrofiche-Edition enthält im Volltext umfangreiche unveröffentlichte Dokumente, Au­gen­zeugenberichte, Flugblätter, ebenso die heute seltenen, von Lepsius verfassten Doku­mentatio­nen "Armenien und Europa" (1896), "Bericht über die Lage des armenische Volkes in der Türkei" (1916) und "Deutschland und Armenien 1914-1918" (1919) sowie alle im Ka­talog bibliogra­phierten seltenen Zeitschriften.

Im Thematischen Lexikon zu Personen, Institutionen, Orten, Ereignissen wird der Inhalt der Do­kumente und Zeitschriften in alphabetisch geordneten Artikeln zu Personen und Sachthemen zugänglich gemacht sowie umfassend auf die jeweils relevanten Dokumente des Archivs und auf die thematisch einschlägigen Artikel in den Lepsius-Periodika verwiesen. Von besonderem, humanitärem Wert ist die alphabetische Aufnahme der zahlreichen Namen der armenischen Witwen und Waisen, die in den Doku­menten und Periodika genannt werden. Sie überlebten die Massaker, Deporta­tion und Genozid, aber verloren die Verbindungen zu ihren Familien.

Deutschland, Armenien und die Türkei 1895-1925
Dokumente und Zeitschriften aus dem Dr. Johannes-Lepsius-Archiv
an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Hrsg. von Hermann Goltz
3 Teile. Komplett: Euro 2.556,-- *
K. G. Saur Verlag München
ISBN 3-598-34406-6

Teil 1: Katalog. Dokumente und Zeitschriften aus dem Dr. Johannes-Lepsius-Archiv
Zusammengestellt und bearbeitet von Hermann Goltz und Axel Meissner
Gebunden. XXVIII, 622 Seiten. Euro 78,-- bei Einzelbezug
Kostenlos für Bezieher der Mikrofiche-Edition
K. G. Saur Verlag München
ISBN 3-598-34407-4

Teil 2: Mikrofiche-Edition Bearb. von Hermann Goltz und Axel Meissner.
Unter Mitarbeit von Ute Blaar, Jana Büttner und Leonore Kratzsch
Mikrofiche-Edition. Ca. 40.000 Seiten auf 317 Silberfiches inkl. Begleitheft.
Lesefaktor 24 X. Euro 2.458,-- *
K. G. Saur Verlag München
ISBN 3-598-34408-2

Teil 3: Thematisches Lexikon zu Personen, Institutionen, Orten, Ereignissen
Zusammengestellt und verfasst von Hermann Goltz und Axel Meissner
Gebunden. XIII, 605 Seiten. Euro 98,-- bei Einzelbezug
K. G. Saur Verlag München
ISBN 3-598-34409-0
* unverb. Preisempfehlung
Kontakt: goltz@theologie.uni-halle.de Bestellungen: saur.info@thomson.com

Historischer Hintergrund
Im Zuge einer angestrebten „ethnischen Säuberung“ Kleinasiens organisierten die türki­schen Machthaber zwischen 1895 und 1925 verschiedene große Massaker unter den Ar­meniern wie auch unter anderen großen nicht-türkischen Minderheiten. Die Armenier-Mas­saker gipfelten 1915/16 in dem ersten großen, systematischen Völkermord des 20. Jahr­hunderts. Ihm fielen rund 1,5 Millionen Armenier zum Opfer. Durch unmenschliche Deporta­tionsmethoden und or­ganisierten Massenmord während und nach dem Ersten Weltkrieg wurde der größte Teil der etwa 2 Millionen osmanischer Armenier vernichtet. Aufgrund der militärischen und wirtschaftli­chen Kooperation des Deutschen Reiches mit dem Osmanisch-Türkischen Imperium billigte damals auch die deutsche Regierung trotz anders lautender diplomatischer Verbalnoten die Verbrechen. Bis heute wird der Genozid von der türkischen und der deutschen Regierung offizi­ell nicht als Genozid benannt und anerkannt. Dieses Verschweigen entspricht nach dem Urteil des Internationalen Tribunals in Paris 1984 dem Tatbestand des "Verbrechens des Schweigens" ("crime of silence").

Der unabhängige evangelische Theologe Dr. Johannes Lepsius (1858-1926) rief die Deut­sche Orient-Mission und das Armenische Hilfswerk ins Leben und widmete sein Lebens­werk der Rettung der armenischen Bevölkerung in der Türkei, im Iran, auf dem Balkan, in Syrien und im Libanon. Im Rahmen seines Wirkens für die Selbstbestimmung des armeni­schen Volkes hatte er auch versucht, zwischen Armeniern, Türken, Russen und Deutschen zu ver­mitteln.

(Prof. Dr. Hermann Goltz, Ingrid Godenrath, 26. April 2004)

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Hermann Goltz
Tel.: 0345 55-23030
Fax: 0345 55-27097
E-Mail:goltz@theologie.uni-halle.de
 
  Ingrid Godenrath, 26.04.2004
 
     
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