Attraktiver neuer Studiengang:
Ernährungswissenschaften

Die Universität Halle hat sich – dem Trend folgend und aufgrund der enormen Nachfrage von Studieninteressenten – vorgenommen, einen Studiengang Ernährungswissenschaften anzubieten. Der Akademische Senat der Universität fasste in diesen Tagen den Beschluss, den neuen Diplomstudiengang Ernährungswissenschaften zum Wintersemester 2000/2001 an der Landwirtschaftlichen Fakultät (vorbehaltlich der Zustimmung durch das Kultusministerium) einzurichten. Der interdisziplinäre Studiengang soll eine Regelstudienzeit von neun Semestern haben. Mit der Verknüpfung naturwissenschaftlicher, medizinischer und wirtschaftswissenschaftlicher Studienanteile wird die Universität Halle damit über ein Studienangebot verfügen, das in dieser interdisziplinären Ausrichtung für Studieninteressenten der Ernährungswissenschaften bundesweit neu ist.

Das ehemalige Institut für Tierernährung und Vorratshaltung wurde bereits im vergangenen Jahr unter diesem Gesichtspunkt in Institut für Ernährungswissenschaften umbenannt. Damit ist neben der Tierernährung die menschliche Ernährung, Humanernährung, mit erfasst und bildet zugleich einen wichtigen Schwerpunkt. Folgende inhaltlichen Aspekte spielen im Studium eine Rolle: Es geht in dem neuen Studiengang unter anderem um die Prophylaxe ernährungsabhängiger Krankheiten, die Ernährung bei spezifischen Erkrankungen („Diätetik") und auch um die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Immunologie. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Ernährung im Wandel der gesellschaftlichen Struktur, dazu gehört die Bewertung des „Fast-Food"-Essverhaltens. Ebenfalls im Studium behandelt wird Ernährung in besonderen Leistungs- und Lebensstadien (Schwangerschaft, Stillzeit, Sport usw.) oder auch zur physischen und psychischen Leistungssteigerung („Functional-Food", „Life-Style-Produkte", „Novel-Food", „Nutraceuticals"). Zu nennen sind noch Risiken durch Ernährung (Lebensmittelzusatzstoffe, -rückstände wie BSE, Dioxin usw.), die Bedeutung der Landwirtschaftlichen Primärproduktion sowie der Lebensmittelkontrolle und -analytik, die Bewertung neuartiger Ernährungsformen, Ernährungspsychologie (Anorexia nervosa, Bulimie) sowie die Soziologie der Ernährung und Epidemiologie. Nicht zuletzt fließen Aspekte der Umwelt mit ein und der Gemeinschaftsverpflegung, Ernährungsökonomie.

Wo in Deutschland gibt es derzeit dieses Fach? An sechs Standorten wird die „Ökotrophologie" angeboten, die neben der Ernährung im naturwissenschaftlichen Sinne auch noch eine starke hauswirtschaftliche Komponente enthält. Hier gibt es rund dreimal so viele Interessenten wie Studienplätze. Ernährung im eigentlichen Sinne (ohne Hauswirtschaft) kann man bisher nur in Potsdam und in Stuttgart-Hohenheim studieren. Die Bewerberzahl entspricht gegenwärtig an diesen beiden genannten Hochschulen sogar etwa dem Zehnfachen der tatsächlich vorhandenen Studienplätze. Der Studiengang in Halle orientiert sich an dem zweiten, bei den Abiturienten wesentlich beliebteren Konzept. Das Fach unterliegt an allen Hochschulen einem Numerus clausus.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Klaus Eder, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Ernährungswissenschaften
Tel.: 0345/55 22700, E-Mail: Eder@landw.uni-halle.de

Ute Olbertz, 11. Mai 2000


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