Ziel: Neue europäische Sicherheitspolitik
Hallescher Wissenschaftler
konzipiert Expertentagung in Österreich

Am 22. April 2002 beginnt in Reichenau an der Rax (Österreich) die erste von zwei Expertentagungen, die das Büro für Sicherheitspolitik des Bundesministeriums für Landesverteidigung der Republik Österreich veranstaltet. Ziel ist es, anhand der zu erwartenden Ergebnisse eine neue europäische Debatte zur Sicherheitspolitik zu initiieren. Federführender Mitgestalter der Konzeption dieser Tagungen ist Prof. Dr. Rahul Peter Das vom Institut für Indologie und Südasienwissenschaften am Fachbereich Kunst-, Orient- und Altertumswissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Aus dem österreichischen Bundesministerium für Landesverteidigung wurde dazu zwecks Verbreitung in den (deutschen) Medien mitgeteilt:

"Die Welt hat sich seit dem Ende des Kalten Krieges sehr verändert. Mit dem Wegfall der Konfrontationszone Europa verringert sich dessen strategische Bedeutung für das internationale Geschehen zusehends: Einerseits findet eine immer schnellere Abwendung der USA von Europa zugunsten eines verstärkten Engagements in Asien statt, andererseits sehen wir einen rasanten Zuwachs sowohl der weltpolitischen, als auch der militärisch-strategischen Bedeutung des letztgenannten Erdteils. Es ist abzusehen, dass in diesem Jahrhundert das Weltgeschehen in hohem Maße von Entwicklungen in Asien geprägt sein wird. Eine besondere Rolle kommt dabei den bestimmenden Akteuren dieser Region zu, das sind die Großmächte Russland, China, Indien und Japan und die Vereinigten Staaten von Amerika.

Für Europa bedeutet dies eine zunehmende Marginalisierung auf machtpolitischem Gebiet und eine wachsende Unsicherheit im Bereich seiner wichtigsten Energiequellen und Handelsrouten. Noch wichtiger aber ist, dass Europa selbst in Belangen, die mittelbar und unmittelbar sein eigenes Territorium und seine eigenen Sicherheitsinteressen betreffen, sich immer mehr statt mit selbstbestimmtem Handeln mit einem bloßen Reagieren auf Entwicklungen in anderen Teilen der Welt abfinden muss, was schwerwiegende Folgen haben kann.

Besorgniserregend ist dabei, dass diese fundamentalen Veränderungen und besonders der Bedeutungszuwachs Asiens weder im Bewusstsein der Allgemeinheit noch der politischen Entscheidungsträger Europas adäquat präsent zu sein scheinen. Es findet daher keine Debatte auf breiter Ebene darüber statt, wie den genannten Herausforderungen begegnet werden kann. Noch schwerwiegender ist, dass erste Reaktionen von europäischer Seite oft nicht im gesamteuropäischen Rahmen, sondern nationalstaatlich erfolgen, was vor allem die kleineren europäischen Staaten in die unangenehme Lage versetzt, folgenschwere Entscheidungen nicht mitgestalten zu können, obwohl sie von deren Auswirkungen betroffen sind.

Es liegt auf der Hand, dass nur eine gesamteuropäische und längerfristige strategische Konzeption Europa insgesamt die Möglichkeit bieten kann, den genannten Herausforderungen adäquat gerüstet entgegenzutreten und Entwicklungen auch aktiv zu gestalten anstatt immer nur zu reagieren. In dem Bemühen, einen wesentlichen Beitrag zur Ausarbeitung eines derartigen Konzepts zu leisten, veranstaltet das von Sektionschef Dr. Erich Reiter geleitete Büro für Sicherheitspolitik des Bundesministeriums für Landesverteidigung der Republik Österreich zwei aufeinander aufbauende Expertentagungen. Die Anregung zu diesen Tagungen ging von dem an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in Deutschland tätigen Südasienwissenschaftler Rahul Peter Das aus, der auch an der Tagungsgestaltung maßgeblich beteiligt ist.

Die erste Tagung, die vom 22. bis zum 24. April in Reichenau an der Rax stattfinden soll, wird sich mit Indien und seiner machtpolitischen und strategischen Bedeutung befassen. Diese Fokussierung auf Indien ist deshalb notwendig, weil das Bewusstsein für den Status Indiens als Großmacht und seine unmittelbare und mittelbare Einwirkung auf wichtige Belange Europas allgemein noch unterentwickelt ist. Führende Fachleute aus dem deutschsprachigen Raum werden über aktuelle Themen berichten, wie etwa die politische Entwicklung und die strategische Doktrin Indiens, das Verhältnis Indiens zu China, Russland, Pakistan und dem zentralasiatischen Raum, die Bedeutung Zentralasiens aus energiepolitischer Sicht, die Initiativen Indiens zur Durchsetzung seiner politischen und strategischen Interessen usw. In einigem zeitlichen Abstand zu dieser ersten Tagung, die eher informativen Charakter haben soll, ist dann eine zweite Tagung vorgesehen, die auf Grund der gewonnenen Erkenntnisse und unter Einbeziehung der anderen für den euroasiatischen Raum relevanten Großmächte Empfehlungen für die Entwicklung eines gesamteuropäischen strategischen Konzepts ausarbeiten wird.

Obwohl die Anzahl derjenigen, die aktiv oder passiv an der ersten Tagung teilnehmen können, aus organisatorischen Gründen gering gehalten werden muss, besteht für interessierte Einzelpersonen, insbesondere aus dem Kreise relevanter Einrichtungen und Medien, die Möglichkeit zur Teilnahme (auf eigene Kosten). Sollte ein derartiges Interesse bestehen, so wird gebeten, sich mit Dr. Peter Hazdra oder Dr. Walter Posch, Landesverteidigungsakademie Wien, Tel. 0043-1-5200-40730 bzw. -40720 in Verbindung zu setzen."

(Dr. Margarete Wein, 17. April 2002)

Nähere Informationen:
Prof. Dr. Rahul Peter Das
Telefon: 0345 55-23652, Fax: 0345 55-27226
E-Mail: das@indologie.uni-halle.de


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