Deutsch in Europa


Muttersprache Fremdsprache Kommunikationsmedium

Das wichtigste Kommunikationsmittel ist Sprache: die eigene oder eine andere. Die erste Geige im vielstimmigen Konzert der Sprachen spielt unbestritten das Englische. Doch es folgen etliche nach, die auf Grund ihrer Bedeutung in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik oder auch der Anzahl derer, für die sie die Muttersprache ist, ebenfalls bedeutsam sind. Zu diesen zählt Deutsch. Insbesondere in Mittel-, Nord- und Osteuropa kommt dem Deutschen, nach Englisch, als Fremdsprache eine hohe Bedeutung zu. (In West- und Südeuropa nimmt diesen Platz eher das Französische ein.)

Wie wichtig die deutsche Sprache in Europa ist, untersucht der erste Band der Reihe "Wittenberger Beiträge zur deutschen Sprache und Kultur", der im Frühjahr bei Peter Lang GmbH, Europäischer Verlag der Wissenschaften, Frankfurt am Main 2000 (ISSN 1437-5680, ISBN 3-631-34832-0) erschien. Unter dem Motto "Deutsch in Europa Muttersprache und Fremdsprache" haben die Herausgeberinnen Ingrid Kühn und Marianne Lehker auf knapp 250 Seiten 15 Beiträge von 21 AutorInnen versammelt, die unter verschiedenen Aspekten ihre Sichten auf die deutsche Sprache in Vergangenheit und Gegenwart sowie auf Möglichkeiten und Wege zu deren Vermittlung im In- und Ausland präsentieren.

Die Themenpalette des Buches reicht von Martin Luthers "Sendbrief vom Dolmetschen", Philipp Melanchthons Reformen des Sprachunterrichts im protestantischen Deutschland und August Hermann Franckes Bemühen um Studium und Lehre von Fremdsprachen, das in der Entwicklung sowohl der Franckeschen Stiftungen als auch der halleschen Fridericiana Widerhall fand, über die Bedeutung der (deutschen) Sprache in den und für die Medien, allgemeine Medienkompetenz und deutsch-deutschen Sprachvergleich bis zu Kursprofilen am Wittenberger Institut für deutsche Sprache und Kultur (http://www.sprache.uni-halle.de/hallo.htm), den Angeboten des Germanistischen Teilstudiums für ausländische Studierende, einem deutschsprachigen Wirtschaftsstudiengang an der Wirtschafts-Universität in Bratislava sowie der Notwendigkeit und Effizienz universitärer Sprachberatung (http://www. germanistik.uni-halle.de/sprachberatung/sprachberatung.htm) in den neuen Bundesländern.

Begünstigend für das Zustandekommen dieses facettenreichen Sammelbandes wirkte der Ort des An-Instituts für deutsche Sprache und Kultur der Martin-Luther-Universität: Es ist seit Oktober 1996 in Räumen der 1502 gegründeten Leucorea angesiedelt. Die Universitätsstiftung Leucorea selbst besteht mit dem Ziel, den traditionellen Universitätsstandort Wittenberg wieder zu beleben seit 1994.

Die VerfasserInnen gehören sechs deutschen Universitäten, der ungarischen Universität Veszprém und der russischen Universität Voronesh an. Ihre Beiträge sind den Komplexen "Deutsch Kein Thema" und "Deutsch als Fremdsprache nicht nur 'virtuell'" zugeordnet. Im ersten Teil werden vorrangig Probleme, die aus dem gesellschaftlichen Wandel des letzten Jahrzehnts resultieren, reflektiert; Teil zwei ist der Vermittlung des Deutschen als Fremdsprache (also einer zusätzlichen Schlüsselqualifikation, die den Zugang zu sonst verschlossenen Tätigkeitsbereichen eröffnen kann) gewidmet.

Hinsichtlich des Erlernens der deutschen Sprache stellen in der communis opinio heute eher Beruf, Studium und Praxis starke Motive dar als das Interesse an deutscher Kultur, Literatur und Philosophie: "Mercedes, Bosch und Neckermann haben Luther, Goethe und Fontane abgehängt", konstatiert der Bamberger Professor Helmut Glück.

Unter ganz pragmatischen Aspekten wendet sich also der Band an in- und ausländische InteressentInnen, die sich mit der deutschen Sprache der Gegenwart beschäftigen, um ihnen die Wahrnehmung von Divergenzen zwischen Sprachnorm und Sprachgebrauch zu erleichtern, ihnen Normkenntnis und -wandelbarkeit nahezubringen und bestimmte (Sub-)Standards und aktuelle Tendenzen zu vermitteln.

Ähnliche Ziele verfolgt auch eine mehrtägige internationale Tagung, die unter dem Motto "Deutsche Sprach- und Kommunikationserfahrungen zehn Jahre nach der 'Wende'. Eine Bestandsaufnahme aus nationaler und internationaler Sicht" von WissenschaftlerInnen der Universitäten Halle und Leipzig ausgerichtet wird. Gäste aus acht Ländern in Europa und Übersee werden erwartet. Die Tagung findet vom 1. bis 4. Juni 2000 in der Lutherstadt Wittenberg statt (http://www.germanistik.uni-halle.de/Tagung_2000/).

(Dr. Margarete Wein, 15. Mai 2000)

Nähere Informationen:
Prof. Dr. Ingrid Kühn
Tel.: 0345 / 552 36 12, Fax: 0345 / 552 71 07
E-Mail: kuehn@germanistik.uni-halle.de


  Zurück zum Index