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Kann der Mensch selbst Morphium produzieren?
Forschungen der thailändischen Doktorandin Chotima Poeaknapo in Halle
 
Chotima Poeaknapo lebt und arbeitet in Halle. Zuvor hat sie in Bangkok Pharmazie studiert und eine ausgezeichnete Magisterprüfung abgelegt. Sie war so gut, dass sie bei einem Auswahlverfahren des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) unter mehr als 50 PharmazeutInnen aus ganz Thailand einen der zwei zu vergebenden Doktorandenplatze in Deutschland bekam. Im Internet war sie auf die Morphin-Forschungen von Prof. Dr. Meinhart Zenk - damals noch Ludwig-Maximilians-Universität München, seit 1999 Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg - gestoßen und sofort begeistert: Das Thema interessierte sie, er sollte ihr Doktorvater werden. In Marburg lernte sie ein halbes Jahr lang Deutsch und gehört nun seit 2001 zu einer 5-köpfigen Arbeitsgruppe, die von Professor Zenk geleitet wird.

Die Frage, ob menschliche Zellen überhaupt in der Lage sind, Morphin zu bilden, beschäftigt die Wissenschaft seit hundert Jahren! Schon 1903 wurde erstmals - von dem Franzosen Mario Mavrogiannis - die Vermutung geäußert, dass im menschlichen Körper Prozesse ablaufen, die wie Morphinproduktion wirken. Aber erst 1976 entdeckte der Amerikaner Alan R. Gintzler auf experimentellem Wege Morphin, das wahrscheinlich nicht durch Aufnahme in den menschlichen Körper gelangt war.

Chotima Poeaknapo,
thailändische Doktorandin
im Biozentrum
der Martin-Luther-Universität
bei Prof. Dr. Meinhart H. Zenk


Foto: privat

Kern der Arbeit von Chotima Poeaknapo ist der Nachweis, dass der menschliche Körper selbst schmerzhemmendes Morphin bilden kann. Mit Hilfe markierter Sauerstoffmoleküle, die eine bestimmte Zeitlang auf die Testzellen einwirkten, konnte bewiesen werden, „dass Reticulin und Norlaudanosolin auf demselben Stoffwechselweg wie Morphin synthetisiert werden“ und dem Schlafmohn ähnlich sind. Ob allerdings die menschliche Morphin-Produktion zwangsläufig an extreme Erlebnisse mit Schockwirkung (Abtrennen von Gliedmaßen oder andere gravierende und lebensbedrohliche Verletzungen) gebunden ist, kann derzeit nur vermutet werden. Auch die Suche nach den an der Morphium-Synthese im menschlichen Körper beteiligten Genen wird erst in späteren Forschungsarbeiten erfolgreich sein.

Sollten sich die bereits in der Fachpresse publizierten Ergebnisse der Versuchsreihen mit sterilen, autonomen humanen Zellkulturen bestätigen, wäre ein Durchbruch zugunsten daraus zu entwickelnder Arzneimittel - mit denen man beispielsweise der gefürchteten Neuro-Disease zu Leibe rücken könnte - erreicht.

Dr. Carl Y. Saab (Yale University School of Medicine) bemängelte an den Versuchen der halle­schen Arbeitsgruppe, sie seien ausschließlich außerhalb des menschlichen Körpers durchgeführt worden. Diesem Einwand hält Poeaknapo entgegen: Es war eben nur durch die Verwendung lebender, steriler, humaner Zellkulturen möglich nachzuweisen, dass das gefundene Morphin keinesfalls einen anderen Ursprung hat als die menschliche Zelle selbst. Tierversuche werden den nächsten Schritt bilden, ehe dann - sicher nicht in allernächster Zukunft - die Phase anbricht, in der Medikamente entwickelt werden, die man zur Therapie bestimmter Krankheitsbilder wirksam einsetzen kann.

Auf jeden Fall haben die Veröffentlichungen im September 2004 die Fachwelt aufhorchen lassen und bereits zur Ausweitung der Forschungskontakte auf diesem Gebiet geführt. Anfragen aus mehreren Universitäten im In- und Ausland werden die seit Jahren enge Zusammenarbeit zwischen dem Biozentrum, dem Fachbereich Pharmazie der Martin-Luther-Universität (insbesondere der Abteilung Biogene Arzneistoffe) und dem halle­schen Institut für Pflanzenbiochemie erweitern und bereichern und möglicherweise zu rascherem Fortschritt auf diesem Forschungsgebiet führen.

Chotima Poeaknapo will, nach Abschluss ihrer Dissertation im Frühjahr 2005, auf jeden Fall der pharmazeutischen Forschung treu bleiben - zu welchen Problemen und wo, steht noch nicht fest.

Nähere Informationen:
Chotima Poeaknapo
Telefon: 0345 55-25065
E-Mail: chotima.poeaknapo@biozentrum.uni-halle.de
Prof. Dr. Meinhart H. Zenk
Telefon: 0345 55-25064
E-Mail: zenk@biozentrum.uni-halle.de
 
  Dr. Margarete Wein, 20.12.2004
 
     
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