Projekt "Chemobil - Lernen für Lehrer und Schüler"
am Fachbereich Chemie

Frische Impulse für einen modernen Chemieunterricht

Naturwissenschaftlicher Unterricht wird, wie das gesamte Bildungssystem, gegenwärtig sehr kritisch betrachtet. Diese Tendenz spiegelt sich am Beispiel des Faches Chemie wider, das sich in der Beliebtheitsskala der SchülerInnen mit einem der letzten Plätze aller Unterrichtsfächer begnügen muss. Deshalb ist es höchste Zeit, gezielte Maßnahmen zu ergreifen, dass der Chemieunterricht interessanter und lebendiger, und die dementsprechende Aus- und Weiterbildung der ChemielehrerInnen neu konzipiert wird.


Experimente - ein wesentlicher Bestandteil des Chemieunterrichts

Im Hinblick auf die Unterrichtsgestaltung im Fach Chemie kommt dabei den Experimenten eine nicht zu unterschätzende Rolle zu. Gerade das experimentelle Arbeiten trägt wesentlich zur Anschaulichkeit und zum besseren Verständnis für die Vorgänge bei chemischen Prozessen bei. Außerdem wird die Beobachtungsgabe und das schrittweise Herangehen der Lernenden bei der Vorbereitung von Experimenten geschult. Der beste Beweis, dass "Chemie" spannend und interessant sein kann, sind die dicht umlagerten öffentlichen Schauvorlesungen der Fachbereiche Chemie und Physik auf dem Marktplatz der Saalestadt am alljährlich stattfindenden "Tag der Forschung" an der halleschen Universität. (Termin für dieses Jahr: 21. Juni 2001)


Projekt "Chemobil - Lernen für Lehrer und Schüler"

Seit Anfang dieses Jahres werden an etlichen Schulen des Landes Sachsen-Anhalt Experimentalpraktika für LehrereInnen und SchülerInnen zur Realisierung eines zeitgemäßen Chemieunterrichts angeboten. Einen möglichen Ansatz auf dem Weg dorthin soll das neue Projekt "Chemobil - (Chemie-)Lernen für Lehrer und Schüler", aufzeigen, das am 27. März 2001, 14:30 Uhr, im Gymnasium des Halle-Neustädter Bildungszentrums, Nietlebener Straße 4, offiziell eröffnet wird. Für die inhaltliche Gestaltung und für die reibungslose Durchführung des Vorhabens zeichnet als Projektleiter Dr. Andreas Kometz vom Fachbereich Chemie der Martin-Luther-Universität verantwortlich. Die benötigten finanziellen Mittel in Höhe von 400.000 DM stellte die Dow Foundation, eine Stiftung der Dow Chemical Company, bereit (Tochterunternehmen ist die BSL Olefinverbund GmbH in Schkopau). Für die Verwaltung der Gelder ist die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) zuständig.


Inhalt und Anliegen von "Chemobil"

Der wissenschaftliche Neuansatz des Vorhabens, so Projektleiter Dr. Kometz, bestehe darin, dass die experimentell orientierten Fortbildungsveranstaltungen im unmittelbaren Schulumfeld der TeilnehmerInnen stattfinden. "Wir wollen mit Hilfe unseres Projektes erreichen", erläutert der Wissenschaftler, "die oft nicht ausreichenden Experimentiermöglichkeiten an den Schulen und damit zugleich die Qualität der Unterrichtsgestaltung zu verbessern. Selbstverständlich liegt uns demzufolge sehr viel daran, das Interesse der Schulabgänger und Abiturienten aller Schulformen bei der Berufs- oder Studienwahl auf eine Ausbildung oder auf ein Studium im naturwissenschaftlichen und technischen Bereich zu lenken". Der verbreiteten Tendenz, eine Lehre oder ein Studium in anderen Bundesländern aufzunehmen, wirksam zu begegnen, bezeichnet Kometz als eines der erklärten Ziele von "Chemobil". "Motivierte Jugendliche für eine Ausbildung in regio-nalen Einrichtungen zu gewinnen, ist deshalb eines unserer Hauptanliegen". Erfahrungsgemäß engagiert sich die Abteilung Didaktik der Chemie des Fachbereiches sehr intensiv in der Fort- und Weiterbildung von Akademikern und wissenschaftlichen Mitarbeitern, die in der Lehre tätig sind. Mit dem Projekt "Chemobil" sollen diese Aktionen auch über das regionale Umfeld hinaus erweitert werden.
Wie alle anderen Wissensgebiete wird auch die Chemie durch bahnbrechenden Erkenntnisse und Neuentwicklungen geprägt. In den angebotenen Veranstaltungen sieht Andreas Kometz ein geeignetes Podium für die umfassende Berichterstattung zu Daten und Fakten. "Im Rahmen der Praktika sehen wir uns in die Pflicht genommen, LehrerInnen sowie SchülerInnen über aktuelle Entwicklungsrichtungen, speziell im experimentellen Bereich, ausführlich zu informieren".

Auch innerhalb der bundesweiten Aktion "Jugend forscht" unterstützt das Chemobilprojekt die Schulen beim Aufbau von entsprechenden Arbeitsgemeinschaften.


Kooperation mit der Fachhochschule Merseburg

Das an der Universität Halle angesiedelte "Chemobil" und das vergleichbare Projekt "Chemie zum Anfassen - Erlebnis Wissenschaft" des Fachbereiches Chemie- und Umweltingenieurwesen der Fachhoch-schule Merseburg, vertreten durch ihre Projektleiter, pflegen eine enge Zusammenarbeit. Beide Einrichtungen verfolgen dasselbe Ziel, nämlich LehrerInnen und SchülerInnen im Bereich der Naturwissenschaften, insbesondere der Chemie, fortzubilden, zu fördern, sie für Naturwissenschaften und Technik zu interessieren und zu motivieren. Die gemeinsamen Aktivitäten erstrecken sich von der Themenauswahl bis hin zur Organisation von Veranstaltungen.
Der Unterschied der Projekte liegt in der Wahl der Veranstaltungsorte. Während "Chemobil" für Lehrende und Lernende in ihrem unmittelbaren Schulumfeld konzipiert ist, konzentriert sich "Chemie zum Anfassen" auf dem Campus der Fachhochschule.
Als erste Schwerpunkte, die sowohl Alltagserfahrungen von Lernenden als auch aktuellen fachwissenschaftlichen Ergebnissen Rechnung tragen, stehen die Themen "Moderne Energietechnologien" und "Computereinsatz im Chemieunterricht" auf dem Lehrprogramm. Dazu müssen zur Unterstützung der experimentellen Arbeit umfangreiche Unterrichtshilfen, vorrangig Kopiervorlagen für Schülerexperimente, erarbeitet werden, die, wie das gesamte Bildungsangebot, kostenlos sind. Als lohnenswerten Anreiz erhalten die ersten (zehn) Schulen, die diese Offerten im Unterricht anwenden, ein Schülerexperimentiergeräte-Set zum Thema "Brennstoffzellen."

(Dr. Andreas Kometz, Ingrid Godenrath, 16. März 2001)

Ansprechpartner:
Dr. Andreas Kometz
Tel..: (0345) 55 258 92
Fax: (0345) 55 271 70
e-mail: kometz@chemobil.de
Internetadresse: http://www.chemobil.de


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