Lebensmittelchemie an der Uni Halle

Erstmals direkte Einschreibung möglich

Der Studiengang Lebensmittelchemie gehört zu den neueren attraktiven Studienangeboten der Martin-Luther-Universität. Erst zum Wintersemester 2000/2001 wurde er am Fachbereich Chemie eingerichtet. Für alle Studieninteressenten gibt es eine gute Nachricht: Der Zugang zu diesem Fach ist jetzt erleichtert: Erstmalig erfolgt die Studienplatzvergabe nicht über die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) in Dortmund, sondern Bewerber können sich direkt an der Universität Halle in diesem Fach einschreiben. Die Mindeststudiendauer beträgt neun Semester und schließt mit der Ersten Staatsprüfung und dem Diplom in Lebensmittelchemie ab. Es folgt eine einjährige Praktikantentätigkeit an einer für diese Ausbildung zugelassenen chemischen Untersuchungsanstalt, die mit der Zweiten Staatsprüfung endet.

Gute Berufschancen
Das Berufsbild des Lebensmittelchemikers ist zur Zeit in einer Phase des Umbruchs. Früher arbeiteten fast alle Lebensmittelchemiker in der staatlichen Lebensmittelüberwachung. Heute findet man diese hochqualifizierten Fachleute häufig auch in privatwirtschaftlichen Laboren, die Hersteller, Importeure und Handel durch Untersuchungen und rechtliche Beurteilung ihrer Güter beraten. Darüber hinaus haben Lebensmittelchemiker in der Ernährungswirtschaft, der Kosmetik- und Bedarfsgegenstände-Industrie umfangreiche Aufgaben in den Forschungs- und Entwicklungslaboratorien. Dort sind sie meist verantwortlich für alle Kontrollaufgaben und die Produktqualität. Darüber hinaus forschen Lebensmittelchemiker an Universitäts-Instituten oder arbeiten an Forschungsanstalten des Bundes und der Lebensmittelwirtschaft. Weitere Tätigkeitsbereiche erschließen sich in Laboratorien und Untersuchungsstellen im Bereich des Trinkwassers, der Umwelt, der Landwirtschaft, der chemischen und pharmazeutischen Industrie, der chemischen Toxikologie, gerichtlichen Analytik und klinischen Chemie. Überall dort sind Lebensmittelchemiker gefragt, wo es um spezielle Kenntnisse in der Analytik komplexer Substrate und die Beurteilung der Ergebnisse geht.

Zentrale Rolle beim Verbraucherschutz
Produktion, Transport und Lagerhaltung von Lebensmitteln haben sich in den vergangenen Jahrzehnten zumindest in den Industrieländern verbessert. Vor verdorbenen Nahrungsmitteln muss sich eigentlich niemand mehr fürchten – sollte man meinen. Dennoch mussten sich unlängst in Halle mehr als einhundert Menschen mit akuter Lebensmittelvergiftung in ärztliche Behandlung begeben. Gegessen hatten alle das gleiche: Schinkennudeln aus einer Großküche. Bei der aufwändigen Suche nach der Ursache für diesen aufsehenerregenden Fall von Massenvergiftung waren auch Lebensmittelchemiker beteiligt. Ganz so spektakulär ist der Beruf des Lebensmittelchemikers wohl nicht immer. Aber das Ereignis zeigt, dass die dauernde Überwachung unserer Nahrungsmittel eine immense Bedeutung für den Verbraucherschutz hat. Der bloße Augenschein und die Geruchsprüfung reichen eben doch häufig nicht aus. Die Schinkennudeln haben ja offensichtlich alle mit Appetit verzehrt. Was wirklich drin ist, weiß nur der Lebensmittelchemiker. Als wissenschaftlich ausgebildeter Experte ist er in der Lage, eine zuverlässige Analyse zu liefern und damit dem Verbraucher Gewissheit über die Zusammensetzung der kompliziert aufgebauten Lebensmittel zu verschaffen.

Giftstoffe in der Nahrung
„Ein bisschen Schimmel auf dem Brot oder im Marmeladenglas hat noch niemandem geschadet..." Früher nahm man es nicht so genau mit der Qualität der Nahrungsmittel. Schierer Mangel mag manchmal der Grund gewesen sein, häufig aber auch einfach Unkenntnis. Heute weiß man, dass einige Schimmelpilze höchst giftige Substanzen, die sogenannten Aflatoxine, enthalten können. Sie schädigen vor allem Leber und Nieren und gelten als krebserregend. Auch die harmlos wirkenden Druckstellen beim Obst sind nicht zu unterschätzen. Faules, braunes Fruchtfleisch enthält manchmal das Pilzgift Patulin. Genau wie beim verschimmelten Brot gilt auch hier: Herausschneiden der befallenen Stellen hilft nichts. Die Giftstoffe sind häufig bereits tief und unsichtbar eingedrungen. Die Weiterverarbeitung von angefaultem Obst zu Kompott empfiehlt sich übrigens ebenfalls nicht. Die winzigen Giftpilze sind nämlich äußerst hitzeresistent.

Weitere Informationen:
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg,
FB Chemie, Kurt-Mothes-Str. 2, 06120 Halle/ Saale,
Internet http://www.chemie.uni-halle.de
Studienabteilung/Prüfungsamt des FB Chemie,
Fachstudienberatung Lebensmittelchemie,
Dr. Grete Wille, Tel.: (0345) 55 25603, E-Mail: wille@chemie.uni-halle.de,
Prof. Dr. Wilhelm Lorenz, Tel.: (0345) 55 25733, E-Mail: lorenz@chemie.uni-halle.de

(6. September 2001)

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