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FREMDENFEINDLICHKEIT UND RECHTE GEWALT -
Standortnachteil für ostdeutsche Wirtschaft
 
Kriminologe Prof. Dr. Kai-D. Bussmann und Soziologe Markus M. Werle von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg legten jüngst die Ergebnisse ihrer Umfrage bei 600 Unternehmen vor. Das Wirtschaftsmagazin CAPITAL berichtete in seiner Ausgabe vom 14. Oktober 2004 darüber und zitierte Ludwig Georg Braun (Präsident des Deutschen Industrie- und Handelkammertags): Er fordert angesichts der halleschen Forschungsergebnisse eine "starke Koalition der Vernunft“.

In Zeiten schwachen Wirtschaftswachstums und steigender Konkurrenz zwischen attraktiven Standorten wird das Image einer Region durch „weiche“ Standortfaktoren wie Lebensqualität, aber auch die regionale Kriminalitätsbelastung und Fremdenfeindlichkeit besonders geprägt, wie eine Befragung von 600 Unternehmen aufzeigt.

Aus welchen Gründen sagen Berwerber ab?

Zwar steht an erster Stelle in der Gunst der Unternehmen erwartungsgemäß die Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften (96 %), aber 65 % halten den Faktor Kriminalität, Fremdenfeindlichkeit und rechte Gewalt für ebenso bedeutsam. Dabei scheuen Großunternehmen und forschungsintensive Unternehmen Fremdenfeindlichkeit am stärksten, denn sie sind aufgrund ihrer höheren multikulturellen und multinationalen Personalzusammensetzung für derartige Probleme besonders empfindlich.

Handicap für ostdeutsche Wirtschaft
Gerade für Ostdeutschland, aber nicht nur dort, werden Fremdenfeindlichkeit und rechte Gewalt mit einzelnen Regionen (Standorten) assoziiert. Negative Erfahrungen der Unternehmen vor Ort decken sich mit dem geschädigten Image einer Region, welches auch auswärtige Unternehmen wahrnehmen. Mit Fremdenfeindlichkeit und rechter Gewalt können so leicht Intoleranz und Innovationsfeindlichkeit assoziiert werden.
Für 18 % der befragten Unternehmen aus den neuen Ländern hat das Auftreten von Fremdenfeindlichkeit oder rechter Gewalt in der Region eine Bedeutung für Standortfragen, gegenüber nur 9 % in den alten Bundesländern. Ferner gaben 11 % der ostdeutschen Unternehmen an (West 5 %), dass Fremdenfeindlichkeit oder rechte Gewalt ihre Unternehmensentscheidungen beeinflusst hat, 28 % befürchten dies auch für die Zukunft (West 17 %). Zwar fühlen sich Unternehmen im Osten auch generell stärker von Kriminalität betroffen als im Westen, aber die größten Ost-West Unterschiede bestehen bei der Unzufriedenheit gegenüber Fremdenfeindlichkeit und rechter Gewalt (Ost 43 %; West 18 %).

Standortnachteil Fremdenfeindlichkeit - rechte Gewalt wichtigster Indikator
Die Erfahrungen der Betriebe zeigen außerdem, dass Stellenbewerber kaum zwischen Fremdenfeindlichkeit und rechter Gewalt unterscheiden. Fremdenfeindlichkeit und erst recht rechtsradikale Gewalt sind somit eindeutig negative Standortfaktoren im Wettbewerb der Regionen um Wirtschafts- und Industrieansiedlung.



Die Bedeutung verschiedener Standortfaktoren
für den einzelnen Betrieb

Sechsmal mehr Bewerberabsagen im Osten wegen Fremdenfeindlichkeit
In Ostdeutschland sind Absagen von Bewerbern wegen Fremdenfeindlichkeit und rechter Gewalt mit 11 % mehr als doppelt so hoch wie im Westen (4 %). Unternehmen in den neuen Bundesländern vermuten sogar sechsmal häufiger (23 %) als in den alten (4 %), dass eine ausgeschriebene Position vom Bewerber aus diesen Gründen nicht angenommen wird.
Hat das Image einer Region in der subjektiven Wahrnehmung sowohl von Unternehmen als auch Stellenbewerbern erst einmal Schaden genommen, kann daraus sogar ein zirkuläres Handicap für ihre weitere wirtschaftliche Entwicklung erwachsen. Denn die Reaktion auf eine regional schlechtere wirtschaftliche Lage mit Fremdenfeindlichkeit und rechter Gewalt verschafft Wettbewerbsnachteile, die dieser politischen Orientierung den Nährboden bereitet.

Wirtschaftsmagazin CAPITAL berichtet
Wie das Wirtschaftsmagazin CAPITAL in seiner Ausgabe vom 14. Oktober 2004 berichtet, fordert Ludwig Georg Braun, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelkammertags, angesichts der halleschen Forschungsergebnisse Unternehmen zu einer "starken Koalition der Vernunft [auf], die Reformen voran treibt und Extremisten nicht zum Zug kommen lässt".

Nähere Informationen:
Dipl.-Soz. Markus M. Werle
Telefon: 0345 55-23119
 
  Dr. Margarete Wein, 19.10.2004
 
     
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