Aktuelle Meldung (20-07-01/Wein)

Erstmals Diplomverleihung
im Deutschsprachigen Studiengang
an der Wirtschaftsuniversität Bratislava

Zum Ende des Sommersemesters 2001 wurden an der Wirtschaftsuniversität Bratislava zum ersten Mal seit Einrichtung des Deutschsprachigen Studienganges an sieben Studentinnen und Studenten spezielle Diplome vergeben.

Feierlich überreichte Magnifizenz, Prof. Ing. Vojtech Kollár, in Anwesenheit der gesamten Universitätsleitung und des deutschen Botschafters in der Slowakischen Republik sowie Vertretern der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Johannes-Kepler Universität Linz die Urkunden. Damit wurde ein weiteres Vorhaben im Rahmen der engen Beziehungen zwischen der halleschen Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät und der Wirtschaftsuniversität Bratislava zu einem vorläufigen Höhepunkt geführt.

Laudatio von Magnifizenz Prof. Ing. V. Kollár, CSc.
(links: Prof. Ing. M. Fendek, CSc.
[Senatspräsident WU Bratislava],
2. v. links: PD Dr. A. Stolze [Martin-Luther-Universität],
rechts: Prof. Dr. W. Sertl [Universität Linz])

Der Deutschsprachige Studiengang wurde 1998 eröffnet und bildet seitdem einen festen Bestandteil des Lehrangebots an der Wirtschaftsuniversität Bratislava. Ziel ist es, den an der Wirtschaftsuniversität Bratislava eingeschriebenen Studierenden neben ihrem regulären Studium die Möglichkeit zu bieten, ihre Kenntnisse in der deutschen Sprache zu vertiefen und fachterminologisch zu erweitern sowie sich die Inhalte der Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik anzueignen, wie sie im deutschsprachigen Raum gelehrt werden.

Voraussetzungen für die Teilnahme sind die Immatrikulation an der Wirtschaftsuniversität Bratislava und gute Deutschkenntnisse. Außerdem sollten die Studierenden schon in einem regulären Studiengang an der Wirtschaftsuniversität Bratislava studieren. Anfang März 1995 unterzeichneten die im November 1993 neugegründete Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Martin-Luther-Universität und die Wirtschaftsuniversität Bratislava einen Partnerschaftsvertrag, der die Zusammenarbeit zwischen beiden Einrichtungen zum Gegenstand hat.

Übergabe des Diploms an einen Absolventen
durch PD Dr. A. Stolze (Mitte),
rechts: Magnifizenz Prof. Ing. V. Kollár, CSc.
>

Eine Partnerschaft bestand seit Anfang der sechziger Jahre zwischen der 1993 abgewickelten Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät in Halle und der Wirtschaftsuniversität Bratislava. Damals hatte insbesondere ein intensiver Austausch von Studierenden in Form von gemeinsamen Seminaren stattgefunden. Nach Abschluss des Partnerschaftsvertrages konzentrierte sich die Zusammenarbeit zwischen der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Martin-Luther-Universität und der Wirtschaftsuniversität Bratislava zunächst auf die Partizipation an einem Tempus-Projekt, das von der Wirtschaftsuniversität Bratislava koordiniert wurde. Schon damals fanden in Bratislava deutschsprachige Lehrveranstaltungen statt, die in Form von Blocklehrveranstaltungen von Hochschullehrern aus Halle und aus Linz (Österreich) abgehalten wurden; die Johannes-Kepler-Universität Linz war also ebenfalls an dem Tempus-Projekt beteiligt. Außerdem hatten über Jahre hinweg Studierende der Wirtschaftsuniversität Bratislava die Gelegenheit, in Halle für jeweils ein Semester zu studieren bzw. ein Praktikum in einem Unternehmen zu absolvieren. Weitere Studierende taten dies in Linz.

In diesem Jahr findet nun bereits zum fünften Mal nach der politischen Wende ein zehntägiges Auslandsseminar mit Studentinnen und Studenten aus Halle und Bratislava statt, in dessen Verlauf sich die Studierenden beider Partneruniversitäten vor Ort aufhalten; durch wissenschaftliche Veranstaltungen und Exkursionen in Unternehmen werden ihnen Kenntnisse über das jeweilige Gastland und die Ausbildung an der Partnereinrichtung vermittelt.

All diese Aktivitäten ließen großes Interesse unter den Studierenden der Wirtschaftsuniversität Bratislava an deutschsprachigen Lehrveranstaltungen sowie an Studien- und Praktikumsaufenthalten im deutschen Sprachraum immer wieder deutlich werden. Daraus entstand die Idee, die deutschsprachige Lehre an der Wirtschaftsuniversität Bratislava mit Hilfe der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Martin-Luther-Universität zu intensivieren und als Deutschsprachigen Studiengang zu institutionalisieren. Die Sozial- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Johannes-Kepler-Universität Linz wird ebenfalls in diese Aktivitäten einbezogen.

Das Interesse an deutschsprachigen Lehrveranstaltungen ist nicht zuletzt deshalb so groß, weil in der Slowakei zahlreiche Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum präsent sind und Mitarbeiter suchen, die der deutschen Sprache mächtig sind und zumindest teilweise eine Ausbildung erhalten haben, wie man sie von deutschsprachigen Universitäten kennt.

Eine weitere Voraussetzung für einen Deutschsprachigen Studiengang ist, dass vor Ort Lehrkräfte vorhanden sind, die in der Lage sind, in deutscher Sprache zu lehren. Der Durchführung deutschsprachiger Lehrveranstaltungen durch Hochschullehrer aus Halle bzw. Linz kommt nur eine Unterstützungsfunktion zu. Die Basis muss die deutschsprachige Lehre durch örtliche Lehrkräfte sein. Auch diese Bedingung ist an der Wirtschaftsuniversität Bratislava erfüllt.

So stellt der Deutschsprachige Studiengang vor allem ein Ergebnis der langjährigen Kooperation zwischen der Wirtschaftsuniversität Bratislava und der Martin-Luther-Universität sowie der Johannes-Kepler-Universität Linz dar. Von hallescher Seite sind in den Jahren 2001/2002 folgende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Ausbildung vor Ort einbezogen: Prof. Dr. Ralf Ebeling, Prof. Dr. Dres. h. c. Josef Kloock, Prof. Dr. Rolf Rogge, PD Dr. Axel Stolze, Dr. Ralf Antes, Dr. Renate Bönicke und Dr. Regina Walter.

Dass nun erstmals Studierende aus Bratislava diese neuartige Ausbildungsform erfolgreich abgeschlossen haben, hat an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Martin-Luther-Universität zu Überlegungen geführt, die auf den verschiedenen Gebieten sich recht erfolgreich gestaltende Zusammenarbeit durch neue Ausbildungsangebote mit entsprechenden Abschlüssen auszubauen.

Überreichung der Ehrenmedaille
durch Magnifizenz Prof. Ing. V. Kollár, CSc.
an PD Dr. A. Stolze

Schließlich sei erwähnt, dass drei Wissenschaftlern der halleschen Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät Prof. Dr. Ralf Ebeling, Prof. Dr. Heinz Peter Galler und PD Dr. Axel Stolze wegen ihrer besonderen Verdienste bei Konzipierung und Durchführung dieses Deutschsprachigen Studiums die Ehrenmedaille der Wirtschaftsuniversität Bratislava verliehen wurde.

(Prof. Dr. Ralf Ebeling / PD Dr. A. Stolze / Dr. Margarete Wein, 20. Juli 2001)

Nähere Informationen:
PD Dr. A. Stolze, Telefon: 0345 / 552 12 34, Fax: 0345 / 552 71 94
E-Mail: stolze@wiwi.uni-halle.de


  Zurück zum Index