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DIALOG ZWISCHEN MEDIZIN UND PSYCHOLOGIE

Internationales Symposium beleuchtet Zwiegespräch Boss - Heidegger
  14.10.2002
 
Das langjährige intensive Zwiegespäch zwischen dem Schweizer Psychiater und Arzt Medard Boss (1903-1990) und dem Philosophen Martin Heidegger (1889-1976) ist vom 18. bis 20. Oktober 2002 Schwerpunkt eines internationalen Symposiums "Zwischen Philosophie, Medizin und Psychologie - Heidegger im Dialog mit Boss", veranstaltet vom Institut für Philosophie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Tagungsort ist der Hörsaal XV im Melanchhonianum, Universitätsplatz 8/9, in Halle, für die wissenschaftliche Leitung zeichnet Prof. Dr. Manfred Riedel (Institut für Philosophie) verantwortlich. Eröffnet wird das Symposium am 18. Oktober 2002, 18:00 Uhr.

Hintergrund
Der Schweizer Psychiater und Arzt Medard Boss, Schüler von Sigmund Freud und C.G. Jung, führte seit Ende des Zweiten Weltkriegs ein langjähriges intensives Zwiegespräch mit Martin Heidegger. Ihre bedeutendste Manifestation findet die Zwiesprache in einer Reihe von Seminaren, die zunächst im Großen Hörsaal der Psychiatrischen Universitätsklinik "Burghölzli" in Zürich und später in Boss' Haus in Zollikon vor einem Kreis junger Mediziner und Psychologen abgehalten werden.

Diese Seminare, eines der gewichtigsten Zeugnisse des Austauschs zwischen Philosophie, Medizin und Psychologie im 20. Jahrhundert, berühren im kongenialen Wechselgespräch Grundfragen aller drei Disziplinen: das Verhältnis von Leib und Seele wird ebenso behandelt wie die methodische Problematik einer "Wissenschaft vom Menschen".

Dabei wird der für die neuzeitliche Wissenschaft grundlegende Objektivitätsbegriff und die ihm zugrundeliegende Subjektphilosophie in Frage gestellt, was zu tiefdringenden Auseinandersetzungen mit dem Wesen europäischer Technik führt. Leibliche und seelische Phänomene sind Heidegger und Boss zufolge untrennbar miteinander verknüpft.
Das Gespräch in den "Zollikoner Seminaren" entfaltet vor diesem Hintergrund eine Phänomenologie menschlichen Daseins: Traum und Halluzination, Gedächtnis und Erinnerung oder dem Schmerz gilt ihre besondere Aufmerksamkeit, wobei auch konkrete therapeutische Folgerungen gezogen werden. (vgl. Boss' Hauptwerk ‚Grundriss der Medizin und Psychologie', das erstmals 1971 erschienen ist (3. Auflage 1999), dessen Entstehen Heidegger in allen Einzel-heiten begleitete). Für Heidegger war das Gespräch mit Boss die wohl wichtigste und intensivste Zwiesprache seiner späten Jahre. Es gab ihm Anlass zu einer Ergänzung und Anwendung der Analysen von "Sein und Zeit" auf die leibliche Natur des Menschen. Die maßgebenden Grundfragen seines Denkens, so das Seinsverständnis des Daseins, das Wesen der Sprache und der Tod werden vor dem therapeutischen Horizont neu erwogen.

Ziel und Anliegen des Symposiums
In dem dreitägigen Symposium, mit cirka 200 Teilnehmern aus Europa und Amerika, werden die großen Sachprobleme des Zwiegesprächs zwischen Heidegger und Medard Boss aufgenommen und weitergeführt. Im Zentrum stehen das Verhältnis von Emotionalität und Subjektivität, von Sprechen und Leiblichkeit, von Gesundsein und Krankheit und die Methode eines hermeneutischen Umgangs mit menschlichem Dasein. Zentrales Thema ist ferner die indische Erfahrung von Medard Boss und ihre Tiefenwirkung auf Heideggers Denkweg. Ein offenes Abendgespräch am Samstag wird einstige Teilnehmer der Zollikoner Seminare zu Wort kommen lassen und in die gegenwärtige weltweite Rezeption der "Daseinsanalyse" Einblick geben. Das Programm verspricht einen transdisziplinären Dialog, der dem heute vielfach angemahnten Zusammenhang von medizinischer Wissenschaft, Therapie und philosophischer Besinnung sowohl methodisch als auch in der Sache wichtige Impulse geben könnte. Der Ertrag der langjährigen Zwiesprache zwischen Heidegger und Boss wird durch einen Kreis internationaler Referenten und Diskutanten gewürdigt werden.

Darüber hinaus leistet die Veranstaltung einen grundlegenden Beitrag zur Theorie der Medizin. Sie versucht, der jüngeren Generation eine Orientierungshilfe in der fortdauernden Krisis der europäischen Wissenschaft zu geben, das angesichts aktueller biowissenschaftlicher und therapeutischer Entwicklungen von hoher Aktualität ist.

Beiträger (u.a.): Manfred Riedel (Halle), Jean Grondin (Montréal), Bin Kimura (Tokio), Reiner Wiehl (Heidelberg), Holger Helting (Wien) Hans-Peter Hempel (Berlin), Johannes Mehlig (Leipzig), Heinrich Hüni (Köln), Helmuth Vetter (Wien, Klagenfurt), Hanspeter Padrutt (Zürich), Eugenio Mazzarella (Neapel), Istvan M. Fehér (Budapest), Th. W. Oudemans (Leiden), Babette E. Babich (New York), Bin Kimura (Kyoto), Claudius Strube (Wuppertal).

(Dr. Harald Seubert, 14. Oktober 2002)

Kontakt
Prof. Dr. Manfred Riedel, Dr. Harald Seubert
Institut für Philosophie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Schleiermacherstr. 1
06114 Halle/Saale
Tel.: 0049-345 5524397
Fax: 0049-345 5521755
E-Mail: schmidtke@phil.uni-halle.de
 
  Ingrid Godenrath, 14.10.2002
 
     
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