Wissen, wie man Wissen
wirkungsvoll weitertragen kann

Gemeinsames Projekt der Germanistischen Institute
Halle und Göttingen zum Wissenstransfer

Wissen heißt für viele vor allem, wissen, wo's steht und wer's weiß aber welches Wissen muss wann, wie, für wen und für welche Zwecke produziert, weitergegeben, überprüft oder erworben werden? Und: Welche Rolle spielen die Universitäten in diesem Prozess? Was folgt aus den demographisch bedingt sinkenden Studentenzahlen? Wie sieht die Stellung der Wissenschaft in der Gesellschaft aus? Was erwartet die Öffentlichkeit? Mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigten sich im Oktober dieses Jahres drei Tage lang 40 WissenschaftlerInnen aus Dänemark, Deutschland, Österreich, Polen, Russland und der Schweiz Anfang Oktober in Naumburg an der Saale.

"Wissenstransfer als Gegenstand der Transfer-wissenschaft" hieß das Thema des Kolloquiums. Es war Teil einer gemeinsamen Veranstaltungsreihe der Germanistischen Institute an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Prof. Dr. Gerd Antos) und an der Georg-August-Universität Göttingen (Prof. Dr. Sigurd Wichter), bei der schon 1999 in Göttingen über "Wissenstransfer zwischen Experten und Laien" diskutiert wurde.

Die Beiträge des diesjährigen Kolloquiums waren u. a. so speziellen Fragen gewidmet wie
dem Wechselverhältnis zwischen Stereotypie und Wissenstransfer (das Sigurd Wichter unter die Lupe nahm),
der allgemeinen Verständlichkeit von juristischen Texten (mit der sich Wissenschaftler aus Aarhus, Greifswald und Kassel beschäftigten),
der Nützlichkeit des Mediums Fernsehen für die Wissenschaft (die Gegenstand eines gemeinsamen Projektes der Universitäten Bielefeld, Dortmund und Göttingen ist),
den positiven und Negativen Aspekten der unaufhaltsam steigenden Informationsflut (die Gerd Antos aus Halle untersucht),
Schreibtraining für Fachleute (das in Wien von SprachwissenschaftlerInnen, JuristInnen und WirtschaftswissenschaftlerInnen gemeinsam betrieben wird),
oder der Wissensvermittlung in Kinder- und Jugendbüchern sowie in Wörterbüchern im Bereich Deutsch als Fremdsprache (die man in Regensburg und Göttingen untersucht).

Sämtliche Beiträge erscheinen im nächsten Jahr in einem Sammelband im Lang-Verlag. Ebenfalls 2001 findet die nächste Tagung wiederum in Göttingen statt.

Eine der Podiumsdiskussionen der Naumburger Tagung thematisierte insbesondere die Bedeutung der Universitäten als Forum der Wissensvermittlung. Denn: Informationen an sich und deren Beschaffung werden künftig kein Problem mehr sein; aber sie zu sammeln, zu sichten, zu bewerten und letztlich zu nutzen, das wird immer schwieriger werden. Genau dafür soll eine systematische Erforschung von Wissenstransfer Lösungen schaffen. In diesen Kontext stellte Gerd Antos Thesen zur "Universität als Marktplatz des Wissens" die wohl auch als Reaktion auf den vielfach beklagten Funktionsverlust der Universitäten zu verstehen sind.
Zunehmender Spezialisierung des Wissens auf allen Gebieten und wachsender Wissensexplosion lässt sich (als konstruktive Antwort der Gesellschaft) nichts anderes entgegensetzen als eine funktionierende Infrastruktur des Wissens und der Wissensvernetzung: umfassendes, fächer- und generationenübergreifendes Wissensmanagement das langfristig auch die Dritte Welt einschließen muss. Ein probates Mittel gegen die "Gefahr eines Herrschaftswissens von Spezialisten" sieht er demzufolge in einer umfassenden Kommunikation zwischen 1. Fachexperten, 2. Experten verschiedener Fächer, 3. Experten und Laien letztlich die Bestätigung des Trends zur Interdisziplinarität.

(Dr. Margarete Wein, 10. November 2000)

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Gerd Antos, Tel. 0345 / 552 36 00, Fax: 0345 / 552 71 07
E-Mail: antos@germanistik.uni-halle.de
http://www.germanistik.uni-halle.de/tagungen/transfer_2000


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