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LÄNDLICHE PARKS UND GÄRTEN AUF DEN GÜTERN DER PRIGNITZ
Zur 139. Ausstellung in der Casino-Galerie über 450 Jahre Gartenkunst
14. November 2005 bis 31. Januar 2006
 
Im Jahr 2004 hielt Torsten Foelsch folgenden Vortrag über seine aus langjähriger Arbeit erwachsenen Kenntnisse der Gärten und Parks in der Prignitz:

"Die Prignitz, wie auch die übrige Mark Brandenburg, war abgesehen von den landesherrlichen Schlössern, nie reich an großen bedeutenden Schloß- und Parkanlagen, wie sie z. B. Mecklenburg, Ostpreußen, Sachsen oder Schlesien aufzuweisen hatten. Zu lange wirkten die Stürme des die Prignitz besonders verheerenden 30jährigen Krieges nach, als dass sich hier, weit entfernt von der Residenz, großartige barocke Anlagen entwickeln konnten. Von dem, was vorher vorhanden gewesen sein mag, haben wir nur allzu geringe Kenntnis. Die wenigen erhaltenen Archive liefern nur spärliche Nachrichten, oder schweigen ganz darüber. Lediglich hie und da finden sich in erhaltenen Inventaren oder gar Bauakten Hinweise auf das Baugeschehen und die Gartenkunst auf den Gütern der Prignitz vor 1600. Einige wenige Lustgärten wird es bei den großen Schlössern, wie Stavenow, Plattenburg, gegeben haben. Wenn überhaupt, waren es kleinere Ziergärten im Weichbild der düsteren, oft noch mittelalterlich anmutenden Rittersitze. Es überwogen damals die reinen Nutzgärten, die überwiegend dem Hopfen- und Kohlanbau dienten und von Palisadenzäunen oder sogenannten „Wellerwänden“ (Fachwerkwänden) umgeben waren. Diese werden immer wieder in den Inventaren und Taxen bis ins 18. Jahrhundert hinein genannt.


Die Hoch-Zeit der barocken Gartenschöpfungen hat in der Prignitz nur sehr geringen Widerhall gefunden und daher auch verhältnismäßig wenige und dann sehr bescheidene Anlagen hervorgebracht. Erst das Zeitalter der Landschaftsgärten nach englischem Vorbild - in der höchsten Vollendung nach den Grundsätzen des Fürsten Pückler und des Gartendirektors Peter Joseph Lenné - hat auch in der Prignitz deutliche Spuren und eindrucksvolle, dendrologisch bemerkenswerte Parkanlagen in der Tiefe des Landes entstehen lassen, die vielfach bis 1945 weiterentwickelt und erhalten, danach aber großenteils sich selbst überlassen oder gar vernichtet wurden.

Was ist also geblieben von der Gartenkunst vergangener Jahrhunderte und dem Gestaltungswillen der einstigen Besitzer der ländlichen Parks in der Prignitz? Enteignung und Vertreibung der Besitzer-Familien, Not der Nachkriegszeit, aber auch die Missachtung ästhetischer Grundsätze durch dem Bildungsbürgertum fernstehende Machthaber bewirkte ihre beklagenswerte Vernachlässigung oder aktive Zerstörung, deren Spuren sich bis heute zeigen. Nur noch ganz wenige der erhaltenen ländlichen Parkanlagen wurden gepflegt (besonders Gadow). Die meisten von ihnen blieben sich selbst überlassen und begannen zu verwalden, so manche Anlage wurde abgeholzt und teilweise zersiedelt. Besitz an Land, Gutshaus und Park wurden in abenteuerlicher Form zertrennt, so dass kaum eine übergreifende Pflege möglich war. Erst mit der Wende 1989 und der teilweise durch Kauf erfolgten Rückkehr von Nachfahren der einstigen Besitzer und auch durch das inzwischen hie und da gewachsenes Interesse der Kommunen an ihrer Erhaltung erfolgten in einigen Parkanlagen der Prignitz durchgreifende Pflege- und Wiederherstellungsmaßnahmen durch privates und kommunales Engagement. Zu erwähnen wären hier besonders die Parks in Groß Pankow, Wolfshagen, Rühstädt, Meyenburg, Birkholz, Neuhausen, Mesendorf, Hoppenrade, Plattenburg und Stavenow.

Es bleibt zu wünschen und zu hoffen, dass die Erhaltung und Pflege dieser Anlagen dauerhaft gesichert ist und sich ihre Eigentümer weiterhin dafür einsetzen. Darüber hinaus wird man vielleicht auch den Wert der einen oder anderen ländlichen Parkanlage für die Kulturlandschaft der Prignitz wiederentdecken und sie aus ihrem kümmerlichen Schattendasein befreien."

Die Ergebnisse seiner jahrelangen Forschungen in privaten und öffentlichen Archiven und am konkreten Ort hat Torsten Foelsch u. a. in einem Lichtbildervortrag zusammengefasst. Bisher kaum veröffentlichte historische Photos, Stiche, Gemälde und Pläne sowie aktuelle Photos illustrieren schlaglichtartig die facettenreiche Entwicklung und das Schicksal ländlicher Gärten und Parks auf den Gütern der Prignitz in den letzten 450 Jahren. Diese Bilder stellen die Basis der 139. Ausstellung in der halleschen Casino-Galerie dar.
 
  Dr. Margarete Wein, 28.11.2005
 
     
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