Internationalisierung des Studiums – kein
leeres Wort

Indische Professorin lehrt und forscht an der Landwirtschaftlichen Fakultät

Das moderne Indien gehört heute zu den großen, weltweit konkurrenzfähigen „Wissenschaftsmächten". Ein Beweis dafür: die gegenwärtige Greencard-Diskussion. Dass die Martin-Luther-Universität mit Indien „auf vertrautem Fuße" steht, zeigt der in diesem Semester beginnende Studiengang „Sprachen und Kulturen des neuzeitlichen Südasiens" (siehe auch aktuelle Mitteilung vom 13. Juli 2000). Doch es gibt auch schon andere, ganz „praktische" Verbindungen: Am Institut für Bodenkunde und Pflanzenernährung der Landwirtschaftlichen Fakultät lehrt und forscht seit Oktober 1999 im Rahmen einer vom DAAD geförderten Gastdozentur die Inderin Professor Dr. Neeru Narula.

Biografisches
Frau Professor Narula stammt aus Nordindien. In ihrer Heimatstadt Hisar studierte sie an der Landwirtschaftlichen Universität Haryana Mikrobiologie und erwarb 1970 den akademischen Grad eines M. Sc. (Master of Science). Nach einem Forschungsaufenthalt an der Universität von Hawaii, der Qualifizierung zum B. Sc. (Bachelor of Science) und der Promotion ging sie zu einem Post-Doc-Studium an die Universität Bayreuth. Inzwischen ist sie schon nahezu 30 Jahre an der Universität von Hisar tätig – seit 1993 als Professorin auf den Gebieten Bodenbiologie, Bodenökologie und Umweltmikrobiologie. Forschungsaufenthalte führten sie in die USA und nach Deutschland – so 1997 an das Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg, 1998 nach Braunschweig und 1999 an die University of Maryland. In Müncheberg arbeitete Neeru Narula bereits mit Professor Wolfgang Merbach zusammen. Er war damals Institutsleiter im ZALF und betreut sie jetzt an der Universität. Also eine Verbindung Sachsen-Anhalt – Indien, die schon lange währt und nun in Halle ihre Fortsetzung findet.

Wissenschaftliches
Hauptarbeitsgebiet der Mikrobiologin ist die Wechselwirkung zwischen Pflanzen und Mikroben – ein Lehr- und Forschungsschwerpunkt auch an der Landwirtschaftlichen Fakultät. Die gesellschaftliche Relevanz der Problematik ist groß, stellt doch die Forschung auf dem Gebiet der Boden- und Umweltmikrobiologie, der Bodenökologie und der Rhizosphärenökologie eine Grundlage für ökologisch verträgliche und ressourcensparende Landnutzungsverfahren dar. Dies ist vor allem in Ländern der „Dritten Welt" von Bedeutung. Hier fehlen oft sowohl die Nährstoffe im Boden als auch die geeigneten Düngemittel. Kompensiert werden muss dieser Mangel durch „Biofertilizer". Frau Professor Narula beschäftigt sich schon seit langem mit Problemen der Stickstoff-Fixierung im Boden. Ihr besonderes Interesse gilt Bodenbakterien aus der Gattung „Azotobacter". Sie sind in der Lage, Stickstoff, den höhere Pflanzen unbedingt zum Leben brauchen, im Boden zu binden und Bodenphosphat zu lösen. Doch nicht nur für die Entwicklungsländer sondern auch für hochentwickelte Industrieländer gewinnt der Einsatz solcher Bodenbakterien im Hinblick auf eine umweltschonende Landwirtschaft zunehmend an Bedeutung. Neeru Narula untersucht vor allem die Beziehungen zwischen diesen nützlichen Mikroben und Getreidearten. Sie arbeitet aber auch an der genetischen Charakterisierung des Bakteriums und erforscht die Wechselwirkungen zwischen Mikroben und Umwelt. Interessant sind hier vor allem die Möglichkeiten, Schadstoffe im Boden abzubauen. Die Ergebnisse der bisherigen, gemeinsam mit Professor Wolfgang Merbach durchgeführten Untersuchungen sind in vier Publikationen dargelegt, von denen die eine bereits erschienen ist (Narula,N. et al. In: J. Plant Nutr. Soil Sci. 163, 393–398, 2000).

Studentisches
Neeru Narula ist nicht nur eine engagierte Forscherin sondern auch eine begeisterte Hochschullehrerin. Und „ganz nebenbei" leistet sie auch einen Beitrag zur Internationalisierung des Studiums, denn alle Vorlesungen und Seminare hält sie in englischer Sprache. Anfangs war das sicher gewöhnungsbedürftig, aber inzwischen gehört es zum universitären Alltag. In der Lehre spannt sie einen weiten Bogen: von den verschiedenen Gruppen der Bodenorganismen über Umweltverunreinigungen und mikrobielle Biotechnologie bis hin zu Nährstoffhaushalt und -kreislauf in den Tropen und in gemäßigten Breiten, um nur einige Themen zu nennen. Interessant für die StudentInnen ist nicht zuletzt der „andere" Blick auf viele Probleme: Bodenbiologie und -ökologie aus Sicht der „Dritten Welt" – unterschiedliche Klimazonen, unterschiedlicher Entwicklungsstand etc. ... Internationalität also auch hier! Professor Wolfgang Merbach und die KollegInnen des Instituts haben die Verlängerung der Gastdozentur um ein weiteres Jahr beantragt, vor allem, um die begonnenen Untersuchungen weiterzuführen, denn: Die Landwirtschaft – sowohl in Neeru Narulas Heimat als auch in unserer hoch industrialisierten Welt – braucht diese Ergebnisse!

Monika Lindner (16.August 2000)

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Wolfgang Merbach
Landwirtschaftliche Fakultät
der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Institut für Bodenkunde und Pflanzenernährung
Tel.: 0345/552 2421
Fax: 0345/552 2716
E-Mail: merbach@landw.uni-halle.de


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