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„BOLL'SCHER GAVIAL“ WIEDER VOR ORT
Fossiles Meereskrokodil ist nach Halle zurückgekehrt
 
Nach aufwändiger Präparation und Restaurierung, die in Holzmaden (Raum Stuttgart) vorgenommen wurde, ist ein zirka 180 Millionen Jahre altes fossiles Meereskrokodil, in Fachkreisen als "Boll’scher Gavial" bekannt, in das Institut für Geologische Wissenschaften an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zurückgekehrt.
Bereits Ende Oktober 2004 wurde die etwa 10 Zentner schwere Fossilplatte, begleitet vom Kustos der Geowissenschaftlichen Sammlungen am Institut für Geologische Wissenschaften Dr. Norbert Hauschke und vom Präparator Christoph Koehn, mit einem LKW fachgerecht nach Halle transportiert.
Am 29. November 2004 war es dann soweit, das wertvolle Objekt wurde im Institut für Geologische Wissenschaften auf dem Campus Heide-Süd, Von-Seckendorff-Platz, an der dafür ausgewählten Wand, aufgehängt".




Ein schwieriger Balanceakt
Foto: MZ, Uwe Gellert



Gleich ist es geschafft!
Die Mitarbeiter der Spezialfirmen nehmen
die letzten Handreichungen vor
Foto: MZ, Uwe Gellert

Zur Geschichte
"Schon im Jahre 1854", erläutert Kustos Dr. Hauschke, "beschrieben Eduard d’Alton und Hermann Burmeister, die beide an der Universität Halle-Wittenberg lehrten, das fossile Meereskrokodil aus dem süddeutschen Posidonienschiefer. Dabei ist es Hermann Burmeister (1807-1892), der 1837 zum Extraordinarius für Zoologie und zum Direktor des damaligen Zoologischen Museums in Halle sowie 1842 zum Ordinarius berufen wurde, zu verdanken, dass der "Boll’sche Gavial" (Gavial: Krokodil) nach Halle kam. Bis zum Umzug des Instituts für Geologische Wissenschaften 2003 in den Campus Heide-Süd, war das Fossil im Treppenaufgang zum "Großen Sammlungssaal" in der "Neuen Residenz" (Domstraße 5) zu sehen."
Im Laufe der Jahre nagte jedoch der Zahn der Zeit an diesem so wertvollen Objekt, benannt nach seinem Fundort, Bad Boll in Baden-Württemberg. Der Erhaltungszustand des Fossils wurde als "äußerst kritisch" eingeschätzt. "Die gängigen Methoden waren wenig erfolgversprechend" erklärt Kustos Hauschke "und die Bereitstellung
erheblicher Finanzmittel für eine fachgerechte Grundsanierung nach neuesten präparationstechnischen Methoden angesichts der knappen Kassen einfach nicht möglich."
"Doch das Glück ließ uns nicht im Stich", berichtet Kustos Hauschke, "denn gerade in dieser Situation besuchte der Vorsitzende des Vereins "Urweltsteinbruch Holzmaden e.V.", Gotthilf Fischer die Saalestadt, um sich die Fossilplatten aus dem süddeutschen Posidonienschiefer einmal anzusehen. Er war so begeistert von unserem einmaligen Sammlungsbestand, der auch mehrere Meereskrokodile und Fischsaurier umfasst, dass er uns anbot, das von d’Alton und Burmeister vor genau 150 Jahren beschriebene Meereskrokodil der Art Steneosaurus bollensis kostenfrei nach Holzmaden zu transportieren und dort einer Grundsanierung zu unterziehen".
Die Region um die Ortschaft Holzmaden ist für den Abbau von Posidonienschiefer sowie für seine Funde weltbekannt und Gotthilf Fischer seit Jahrzehnten auf die schwierige Präparation und Restaurierung von Fossilfunden aus diesen Ablagerungen der Jurazeit spezialisiert. So wurde das Meereskrokodil nach einer neuen Methode in Originalgestein aus den Holzmadener Steinbrüchen umgebettet und somit für die nächsten 150 Jahre der Nachwelt erhalten. Die wissenschaftliche Betreuung der Aktion übernahm Dr. Rupert Wild, ehemaliger Oberkurator für Wirbeltierpaläontologie am Naturkundemuseum in Stuttgart und Spezialist für Holzmaden-Reptilien. Nach der erfolgreichen Wiederherstellung des "schönsten und vollständigsten aller bisher bei Bad Boll aufgefundenen Gavial-Skelette" - so äußerte sich 1854 Burmeister nach dem Erwerb des Fossils - haben Wissenschaftler der Martin-Luther-Universität weitere interessante Vorhaben ins Auge gefasst: unter anderem eine Sonderausstellung anlässlich des 200. Geburtstags von Hermann Burmeister am 15. Januar 2007, mit dem "Boll’schen Gavial" als Publikumsmagnet. Auch eine Kooperation mit Argentinien ist im Gespräch.
Dazu Dr. Hauschke "Um die Gründe für die geplante Zusammenarbeit mit Argentinien zu erfahren, müssen wir noch einmal an Hermann Burmeister anknüpfen". Auf Empfehlung Alexander von Humboldts unternahm Burmeister eine erste Studienreise nach Brasilien und kehrte mit umfangreichem Sammlungsmaterial 1852 nach Halle zurück. Daraufhin besuchte er 1856 noch einmal Südamerika, unter anderem Uruguay und Nordargentinien. Auch aus diesen Ländern brachte er große Sammlungsbestände mit, darunter zahlreiche Originale zu Erstbeschreibungen von ihm neu entdeckter Tierarten, die bis heute im Zoologischen Institut der Universität aufbewahrt werden. "Nach seiner Entlassung aus dem Dienst der Universität, die ihm 1861 in „Gnaden gewährt“ wurde", schildert Kustos Hauschke das weitere Geschehen, "wanderte Burmeister nach Argentinien aus und leitete bis zu seinem Tode das damalige Museo Publico in Buenos Aires, das sich unter seiner Führung zu einer international bedeutenden Forschungsinstitution entwickelte".

Während seines einjährigen Forschungsaufenthaltes 1986/87 in dem südamerikanischen Land, arbeitete Norbert Hauschke eng mit einem späteren Amts-Nachfolger Burmeisters zusammen - dem Direktor des nachmaligen Naturkundemuseums in Buenos Aires, Prof. Dr. Wolfgang Volkheimer - der übrigens ebenfalls aus Deutschland stammt. Im Rahmen eines Besuches von Prof. Volkheimer im Sommer dieses Jahres in Halle, wurden erste Überlegungen für ein gemeinsames Symposium und eine Sonderschau zu Ehren von Burmeister angestellt.
"Damit schließt sich der Kreis um den „Boll’schen Gavial“, so Dr. Hauschke "und dem international in hohem Ansehen stehenden Gelehrten Hermann Burmeister, dem die Martin-Luther- Universität dieses einmalige Fossil verdankt".

(Dr. Norbert Hauschke, Ingrid Godenrath, 24. November 2004)

Ansprechpartner:
Dr. Norbert Hauschke
Kustos der Geowissenschaftlichen Sammlungen
Institut für Geologische Wissenschaften und Geiseltalmuseum
Tel. 0345 55-26115
E-Mail: hauschke@geologie.uni-halle.de
 
  Ingrid Godenrath, 24.11.2004
 
     
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