Im März dieses Jahres gründeten
fünf engagierte
Studenten der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
einen
Verein, um das Image der Saalestadt und die
Kommunikation zwischen den Studierenden zu verbessern. Seitdem
plant die Gruppe neben Freizeit- und Informationsveranstaltungen
ein großes Online-Portal, um direkt mit interessierten
Hochschulabsolventen ins Gespräch zu kommen. Paolo Schubert
traf die
Gründungsmitglieder Alexander Kauka und
Conrad Seemann zum Interview.
Conrad Seemann und Alexander Kauka sind Gründungsmitglieder
des Vereins.
Foto: Paolo Schubert
Die Zahl studentischer Gruppen nimmt von Jahr zu Jahr
zu. Jedoch tritt lediglich eine kleine Anzahl dieser Initiativen
für die Interessen der Hochschulabsolventen und im
gleichen Zug für Belange ihrer Stadt ein. Auf welchen
Intentionen beruht Ihre Arbeit?
Seemann: Wir haben das Gefühl, dass der Name
"Halle" im gesamtdeutschen Raum eher mit negativen
Eindrücken verbunden wird. Dabei hat die Stadt mit
ihrer Universität sehr viel zu bieten, gerade für
Studierende. Man denke nur einmal an die kulturelle Vielfalt,
die Erholungsangebote oder die Einkaufsmöglichkeiten.
Im Punkt Lebensqualität brauchen wir uns nicht zu verstecken.
Wir haben überlegt, wie wir diese Eindrücke nach
außen tragen können und kamen zu dem Entschluss,
ein gemeinsames Projekt zu initiieren.
Wie sind Sie an potenzielle Mitstreiter herangetreten?
Die ersten Kontakte verschafften wir uns über das Onlineportal
StudIP. Diese Plattform eignet sich, weil ein Großteil
der Studierenden dort eingeschrieben ist. Mittlerweile kommen
auch Interessenten zu uns, die von Freunden oder Bekannten
vom Projekt gehört haben.
Wen wollen Sie konkret ansprechen?
Kauka: Zu unserer Zielgruppe gehören in erster
Linie Studierende, die nach Halle gezogen sind. In eine
fremde Stadt zu kommen, ist immer etwas problematisch. Man
kennt sich nicht aus, weiß anfangs selten, an wen
man sich mit welchen Problemen wenden kann. Hier wollen
wir einspringen, indem wir Plattformen bereitstellen, auf
denen sich Studierende austauschen, zu Veranstaltungen verabreden
oder bei Problemen weiterhelfen können.
So ein System steht für Integration. Nur wer seinen
Heimatort als lebenswert betrachtet und sich dort wohl fühlt,
wird auch Verwandten und Bekannten gegenüber seine
positiven Ansichten nach außen tragen. Angesprochen
sind jedoch auch alle anderen Studierenden.
Seemann:
Letztendlich misst sich die Lebensqualität in einer
Stadt an den Dingen, die sie für ihre Bürger bereit
stellt. Deshalb befassen wir uns auch mit außeruniversitären
und städtischen Problemen. Dabei setzen wir auf Kooperationen
mit kommunalen Vereinen und Verbänden. Als Beispiel
kann ich den Hausverfall nennen, dem wir zusammen mit dem
Arbeitskreis Innenstadt entgegentreten wollen.
Mit welchen Mitteln versuchen Sie Studierende zu einer
Mitarbeit zu motivieren?
Kauka: Wir versuchen, Veranstaltungen und Programme
zu planen. Beispielsweise haben wir in der vergangenen Woche
eine Radtour organisiert, die auf große Resonanz gestoßen
ist. Wir wollen zudem unsere Internetpräsenz ausbauen,
zum Beispiel das Forum, welches schon sehr häufig genutzt
wird, aber auch die Bereiche, die Fakten und Informationen
bieten. Weiterhin sind Stadtrundgänge geplant, die
speziell für junge Menschen aufgearbeitet werden. Wir
müssen den Studierenden die Stadt näher bringen,
ihnen gewisse Lokalitäten zeigen, damit sie Gefallen
daran finden.
Nun besteht das Projekt seit einem Vierteljahr. Was
haben Sie bisher erreicht?
Seemann: Wir haben bereits kleinere Netzwerke etabliert
- unter den Studierenden und auch zur städtischen Seite.
Konkret gab es zwei Initiativen, für die wir uns aktiv
eingesetzt haben. Zum einen sammelten wir zusammen mit der
Bürgerstiftung Unterschriften, um zu verhindern, dass
die Bundeskulturstiftung nach Berlin absiedelt. Und das
Ergebnis kann sich sehen lassen. Insgesamt kamen 8000 Unterschriften
zusammen, von denen wir fast 800 Unterschriften beitragen
konnten. Zum anderen beteiligten wir uns an der Städtewette
"Menschen für Menschen". Es hatte sich schon
frühzeitig abgezeichnet, dass der erforderliche Betrag
von knapp 80000 Euro nicht zusammen kommt. Also sind wir
mit drei Spendendosen durch die Innenstadt gelaufen und
haben um Spenden gebeten. Es sind immerhin fast 300 Euro
zusammen gekommen.
Mit welchen Problemen haben Sie bei der Umsetzung Ihrer
Ziele zu kämpfen?
Kauka: Wir sind alle hauptberuflich Studierende und
das Studium geht nun einmal vor. Dementsprechend können
wir nicht so viel Zeit für "Studenten für
(H)alle" bereitstellen, wie wir eigentlich möchten.
Wir hoffen, dass sich auch weiterhin Interessierte melden,
die sich bei uns für diese Ziele einsetzen wollen.
Weiterhin muss eine langfristige Finanzierung des Projekts
gesichert werden. Wir wollen den Verein demnächst im
Vereinsregister eintragen lassen, auch im Mitgliedschaften
anbieten zu können. Da entstehen Kosten, genau wie
bei Veranstaltungen, bei denen man Verpflegung oder spezielle
Technik benötigt. Wir sind derzeit auf der Suche nach
einem Sponsor.
Welche Leistungen erhalten dann noch Nichtmitglieder?
Ist eine derartige Trennung überhaupt mit Ihren Zielen
zu vereinbaren?
Seemann: Ist es, denn die Leistungen kann jeder Studierende
in Anspruch nehmen, egal ob Mitglied oder nicht. Daran wird
sich nichts ändern. Der Verein dient lediglich organisatorischen
Zwecken. Wir brauchen einen rechtlichen Status, um auch
finanziell auf der sicheren Seite zu stehen. Wir wollen
uns im Endeffekt auch die Gemeinnützigkeit bestätigen
lassen, um Spenden verrechnen zu können.
Vielen Dank für das Interview.
(Paolo Schubert, 8. Juni 2006)