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INTERNATIONALER MASTER-STUDEIENGANG
"Early Childhood Education and Care"
  11.05.2006
 
Als erste deutsche Hochschule entwickelt die Martin-Luther-Universität in einem Konsortium aus sechs Europäischen Hochschulen einen "Joint Masters in Early Childhood Education and Care". Die Gruppe, bestehend aus den Universitäten Dublin (DIT), Glasgow (Strathclyde), Göteborg, Oslo, Malta und Halle, hat dafür im vergangenen Jahr erfolgreich eine EU-Förderung im Rahmen des SOKRATES/ERASMUS Programms eingeworben.

In diesem Jahr werden Partner ein gemeinsames Curriculum für den modular aufgebauten Studiengang erarbeiten; eine Pilotphase mit 30 Studierenden aus sechs Ländern ist für 2007 vorgesehen. Bestandteile des Programms, dass in englischer Sprache durchgeführt wird, sind 8 Module (je 10 ECTS) und eine wissenschaftliche Abschlussarbeit (40 ECTS). Die Module im Einzelnen:

- Professional Reflections
- Childhoods and Children
- Play and Learning
- Research Methodologies
- Evolution of Early Childhood Research, Practices and Policies
- Questioning Curriculum
- Aesthetics of Children's Cultures
- Addressing Diversity

Alle Module werden online auf einer gemeinsamen E-Learning Plattform angeboten. Die Bildung einer Learning Community wird durch Präsenszeiten - Intensivseminare, Sommerschulen, gemeinsame Forschungsprojekte etc. - unterstützt.

Die Martin-Luther-Universität wird im Konsortium von Dr. Mathias Urban von der Arbeitsstelle Elementare Bildung und Profession am Fachbereich Erziehungswissenschaften vertreten.

Im Zentrum des wissenschaftlichen Interesses der Arbeitsstelle "Elementare Bildung und Profession" stehen soziale Akteure, Institutionen und Organisationen, die Bildungsprozesse von Kindern unter sechs Jahren ermöglichen und gestalten, sowie allgemein gesellschaftliche generationale Prozesse, die sich auf die Bedingungen des Aufwachsens kleiner Kinder auswirken. Die Arbeitsstelle trägt einerseits zur wissenschaftlichen Erforschung und praktischen Entwicklung des Elementarbereichs des Bildungswesens bei. Andererseits zielt die Arbeit auf die Etablierung dieses gesellschaftlichen Komplexes als Gegenstand von universitärer Forschung und Lehre in Deutschland. Hierzu bringt die Arbeitsstelle ihre internationalen Netzwerke, Forschungs- und Kooperationsbezüge ein. Auch der internationale Master-Studiengang ist in diesem Zusammenhang zu sehen. Er ist ein Beitrag zur Umsetzung der Internationalisierungsstrategie der MLU und stärkt gleichzeitig die deutsche Präsenz in der internationalen Early Childhood Community.

Der Masterstudiengang antwortet auf den wachsenden Bedarf an wissenschaftlich qualifizierten Fach- und Führungskräften in der frühkindlichen Betreuung und Bildung in Europa. Das Programm richtet sich sowohl an den wissenschaftlichen Nachwuchs als an berufserfahrene Fachkräfte, die sich in einem internationalen Umfeld weiter qualifizieren wollen.

Early Childhood Education and Care ist auf der politischen Agenda Europas in den letzen Jahren weit nach oben gerückt. Arbeitsmarktpolitik, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und Chancengleichheit sind wichtige Antriebe dafür. Es gibt inzwischen einen Konsens darüber, dass sowohl mehr, als auch bessere Angebote für Kinder und Familien bereitgestellt werden müssen, die zudem Betreuung und Bildung auf hohem Niveau integrieren. Auch die Fachkräfte sind ins Zentrum des Interesses gerückt; ihre Qualifikation, aber auch ihre gesellschaftliche Anerkennung wird zunehmend als Schlüssel zur Qualität der Angebote erkannt.

Die Europäische Gemeinschaft hat bereits 1992 eine Empfehlung mit Rahmenzielen und Prinzipien zur Kinderbetreuung verabschiedet. Zehn Jahre später, anlässlich des EU-Gipfels in Barcelona wurden weitere konkrete Ziele für den Ausbau der Kinderbetreuung in Europa beschlossen:
"Member states should remove disincentives to female labour force participation and strive, taking into account the demand for childcare facilities and in line with national patterns of provision, to provide childcare by 2010 to at least 90% of children between 3 years old and the mandatory school age and at least 33% of children under 3 years of age."

Für den Ausbau der Kinderbetreuung gibt es weitere Gründe: Neben der Gleichberechtigung der Geschlechter geht es z. B. um die Grundlage für lebenslanges Lernen oder um Soziale Teilhabe. Gleichzeitig wächst die Aufmerksamkeit für Fragen von Kinderrechten und Partizipation - etwa im Zusammenhang mit der UN-Konvention über die Rechte des Kindes und der Grundrechte der Europäischen Union. Unwidersprochen ist auch, dass die politische Selbstverpflichtung zum quantitativen Ausbau mit einer Verbesserung der Qualität der Angebote verbunden werden muss. Auf europäischer Ebene hat es dazu seit den frühen 1990er Jahren einflussreiche Diskussionen gegeben, die schließlich in die Veröffentlichung eines Katalogs von vierzig Qualitätszielen durch das European Commission Network on Childcare (1996) mündeten.

Aktuelle Forschungsergebnisse weisen deutlich darauf hin, dass die Profession - bzw. ihre Entwicklung - Grundlage dafür ist, die politischen Ziele des quantitativen und qualitativen Ausbaus zu realisieren (Mac Naughton, Rolfe et al. 2001; Dalli 2005; MacNaughton 2005). Die meisten Europäischen Staaten sehen sich hier allerdings großen Herausforderungen ausgesetzt. Häufig gibt es eine Spaltung zwischen Erziehungs- und Betreuungskräften (early childhood teachers / childcare workers). Sie entspricht der institutionellen Trennung zwischen Vorschule und Kinderbetreuung, die allerdings sowohl von Forschung als auch von Politik zunehmend in Frage gestellt wird. Dabei sind die childcare workers in der Regel schlechter ausgebildet und werden entsprechend schlecht bezahlt. Große Sorge besteht inzwischen darüber, ob und wie es gelingen kann, diese Gruppe aufzuwerten, besser zu qualifizieren und überhaupt genügend (Fach)Kräfte für den Betreuungsbereich zu rekrutieren.

Die Unterprofessionalisierung vor allem des child care Sektors steht in krassem Gegensatz zu den wachsenden Anforderungen an ihre Arbeit. Die Komplexität wächst - vor allem durch die zunehmende Diversität bei Kindern und Familien in allen modernen Gesellschaften.

In diesem Kontext zielt der modular aufgebaute Master-Studiengang darauf ab, die Verbindung von Forschung, Professionsentwicklung und europäischer Politik im Bereich der frühkindlichen Betreuung und Bildung zu stärken. Damit wird das Programm dazu beitragen, europäische Perspektiven in einem Bereich zu entwickeln, der für die Europäische Union ebenso relevant ist wie für individuelle Mitgliedsstaaten.

Nähere Informationen bei:
Dr. Mathias Urban
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Arbeitsstelle Elementare Bildung und Profession
Fachbereich Erziehungswissenschaften
Tel. 345 55-23820
E-Mail: mathias.urban@paedagogik.uni-halle.de

(Dr. Mathias Urban, 11. Mai 2006)

 
  Ute Olbertz, 11.05.2006
 
     
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