Alle Module werden online auf einer gemeinsamen E-Learning
Plattform angeboten. Die Bildung einer Learning Community
wird durch Präsenszeiten - Intensivseminare, Sommerschulen,
gemeinsame Forschungsprojekte etc. - unterstützt.
Die Martin-Luther-Universität wird im Konsortium von
Dr. Mathias Urban von der Arbeitsstelle Elementare
Bildung und Profession am Fachbereich Erziehungswissenschaften
vertreten.
Im Zentrum des wissenschaftlichen Interesses der Arbeitsstelle
"Elementare Bildung und Profession" stehen soziale
Akteure, Institutionen und Organisationen, die Bildungsprozesse
von Kindern unter sechs Jahren ermöglichen und gestalten,
sowie allgemein gesellschaftliche generationale Prozesse,
die sich auf die Bedingungen des Aufwachsens kleiner Kinder
auswirken. Die Arbeitsstelle trägt einerseits zur wissenschaftlichen
Erforschung und praktischen Entwicklung des Elementarbereichs
des Bildungswesens bei. Andererseits zielt die Arbeit auf
die Etablierung dieses gesellschaftlichen Komplexes als
Gegenstand von universitärer Forschung und Lehre in
Deutschland. Hierzu bringt die Arbeitsstelle ihre internationalen
Netzwerke, Forschungs- und Kooperationsbezüge ein.
Auch der internationale Master-Studiengang ist in diesem
Zusammenhang zu sehen. Er ist ein Beitrag zur Umsetzung
der Internationalisierungsstrategie der MLU und stärkt
gleichzeitig die deutsche Präsenz in der internationalen
Early Childhood Community.
Der Masterstudiengang antwortet auf den wachsenden Bedarf
an wissenschaftlich qualifizierten Fach- und Führungskräften
in der frühkindlichen Betreuung und Bildung in Europa.
Das Programm richtet sich sowohl an den wissenschaftlichen
Nachwuchs als an berufserfahrene Fachkräfte, die sich
in einem internationalen Umfeld weiter qualifizieren wollen.
Early Childhood Education and Care ist auf der politischen
Agenda Europas in den letzen Jahren weit nach oben gerückt.
Arbeitsmarktpolitik, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit
und Chancengleichheit sind wichtige Antriebe dafür.
Es gibt inzwischen einen Konsens darüber, dass sowohl
mehr, als auch bessere Angebote für Kinder
und Familien bereitgestellt werden müssen, die zudem
Betreuung und Bildung auf hohem Niveau integrieren.
Auch die Fachkräfte sind ins Zentrum des Interesses
gerückt; ihre Qualifikation, aber auch ihre gesellschaftliche
Anerkennung wird zunehmend als Schlüssel zur Qualität
der Angebote erkannt.
Die Europäische Gemeinschaft hat bereits 1992 eine
Empfehlung mit Rahmenzielen und Prinzipien zur Kinderbetreuung
verabschiedet. Zehn Jahre später, anlässlich des
EU-Gipfels in Barcelona wurden weitere konkrete Ziele für
den Ausbau der Kinderbetreuung in Europa beschlossen:
"Member states should remove disincentives to female
labour force participation and strive, taking into account
the demand for childcare facilities and in line with national
patterns of provision, to provide childcare by 2010 to at
least 90% of children between 3 years old and the mandatory
school age and at least 33% of children under 3 years of
age."
Für den Ausbau der Kinderbetreuung gibt es weitere
Gründe: Neben der Gleichberechtigung der Geschlechter
geht es z. B. um die Grundlage für lebenslanges Lernen
oder um Soziale Teilhabe. Gleichzeitig wächst die Aufmerksamkeit
für Fragen von Kinderrechten und Partizipation - etwa
im Zusammenhang mit der UN-Konvention über die Rechte
des Kindes und der Grundrechte der Europäischen Union.
Unwidersprochen ist auch, dass die politische Selbstverpflichtung
zum quantitativen Ausbau mit einer Verbesserung der Qualität
der Angebote verbunden werden muss. Auf europäischer
Ebene hat es dazu seit den frühen 1990er Jahren einflussreiche
Diskussionen gegeben, die schließlich in die Veröffentlichung
eines Katalogs von vierzig Qualitätszielen durch das
European Commission Network on Childcare (1996) mündeten.
Aktuelle Forschungsergebnisse weisen deutlich darauf hin,
dass die Profession - bzw. ihre Entwicklung - Grundlage
dafür ist, die politischen Ziele des quantitativen
und qualitativen Ausbaus zu realisieren (Mac Naughton, Rolfe
et al. 2001; Dalli 2005; MacNaughton 2005). Die meisten
Europäischen Staaten sehen sich hier allerdings großen
Herausforderungen ausgesetzt. Häufig gibt es eine Spaltung
zwischen Erziehungs- und Betreuungskräften (early
childhood teachers / childcare workers). Sie entspricht
der institutionellen Trennung zwischen Vorschule und Kinderbetreuung,
die allerdings sowohl von Forschung als auch von Politik
zunehmend in Frage gestellt wird. Dabei sind die childcare
workers in der Regel schlechter ausgebildet und werden
entsprechend schlecht bezahlt. Große Sorge besteht
inzwischen darüber, ob und wie es gelingen kann, diese
Gruppe aufzuwerten, besser zu qualifizieren und überhaupt
genügend (Fach)Kräfte für den Betreuungsbereich
zu rekrutieren.
Die Unterprofessionalisierung vor allem des child care
Sektors steht in krassem Gegensatz zu den wachsenden Anforderungen
an ihre Arbeit. Die Komplexität wächst - vor allem
durch die zunehmende Diversität bei Kindern und Familien
in allen modernen Gesellschaften.
In diesem Kontext zielt der modular aufgebaute Master-Studiengang
darauf ab, die Verbindung von Forschung, Professionsentwicklung
und europäischer Politik im Bereich der frühkindlichen
Betreuung und Bildung zu stärken. Damit wird das Programm
dazu beitragen, europäische Perspektiven in einem Bereich
zu entwickeln, der für die Europäische Union ebenso
relevant ist wie für individuelle Mitgliedsstaaten.
Nähere Informationen bei:
Dr. Mathias Urban
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Arbeitsstelle Elementare Bildung und Profession
Fachbereich Erziehungswissenschaften
Tel. 345 55-23820
E-Mail: mathias.urban@paedagogik.uni-halle.de
(Dr. Mathias Urban, 11. Mai 2006)