Bereits im zweiten Jahr in Folge hat ein Team um Prof. Dr.
Joachim Ulrich, Prorektor für Forschung und Wissenschaftlichen
Nachwuchs der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg,
eine Sommerschule an der südkoreanischen Hanbat
National University (HNU) durchgeführt. Dozenten
aus verschiedenen Instituten der MLU vermittelten über
zwei Wochen spezifisches Lehrinhalte aus dem pharmazeutisch-technologischen
Wissenschaftsbereich.

Die südkoreanische Hanbat National University,
Foto: Hyeong-Seok Lee
Trotz hoher Anforderungen bewarben sich über 50 koreanische
Studierende; lediglich 25 von ihnen konnten berücksichtigt
werden. "Jeder Interessent musste ein Gutachten vorlegen,
das seine überdurchschnittliche Studienleistungen nachweist",
erklärt Dr. Birgit Dräger, Professorin für
Pharmazeutische Biologie am Fachbereich Pharmazie; hinzugekommen
sei ein individuelles Auswahlverfahren.
Dräger gehört zu den acht halleschen Lehrkräften,
die für die Sommerschule 2006 angeworben werden konnten.
Eine Zusage stand für sie außer Frage. "Die
MLU muss sich im internationalem Raum positionieren. Dazu
brauchen wir starke Partner. Südkorea verfügt
über akademischen Nachwuchs mit genügend Potenzialen;
das Land ist im wissenschaftlich-technischen Bereich sehr
fortschrittlich", erklärt Dräger weiter.
Außerdem verzeichne Südkorea einen enormem wirtschaftlichen
Aufschwung. Die Forschungseinrichtungen an den Universitäten
seien exzellent ausgestattet.
Interdisziplinäre Lehrinhalte
Der Lehrstoff aus der Pharmazie und den Ingenieurwissenschaften
wurde speziell für die Sommerschule aufbereitet. Interdisziplinäres
Wissen dieser Art und so kompakt sei nicht Bestandteil des
üblichen Lehrplans. "Wir haben Informationen vermittelt,
bei denen die klaren Grenzen zwischen den Themengebieten
verschwimmen. So war es beispielsweise für die Teilnehmer
der Seminare nicht nur interessant, welche Wirkstoffe eine
Tablette beinhaltet, sondern auch, mit welchen pharmazeutisch-technologischen
Methoden sie in eine feste Form gebracht werden kann, bei
der eine optimale Freigabe der Inhaltstoffe an den Körper
gewährleistet ist."

Fotos (3): Eric Römbach
Die südkoreanischen Studierenden besuchten die Veranstaltungen
nach einem festen Stundenplan; unterrichtet wurde in englischer
Sprache. "Da die Teilnehmerzahl auf 25 Studierende
beschränkt wurde, hatten wir Dozenten die Möglichkeit,
uns intensiv mit den einzelnen Fragen der Personen auseinander
zu setzen und genügend Spielraum zur Vermittlung weiterführender
Informationen", erinnert sich die Professorin. Ergänzt
wurden die Seminare und Vorlesungen durch ein abwechslungsreiches
Freizeitprogramm. "Da die Studierenden aus verschiedenen
Regionen Koreas angereist waren, mussten auch sie sich erst
einmal kennen lernen."
Positive Effekte für alle Beteiligten
Nach Ansicht Drägers kann die MLU mit dieser Lehrveranstaltung
verschiedene positive Effekte erzielen. "Der konkrete
Nutzen besteht darin, dass wir gut ausgebildete und hoch
motivierte Master- und Promotionsstudenten für unsere
weiterführenden Studiengänge anwerben. Weiterhin
können wir mittelfristig unsere Ausbildung verbessern,
indem wir zum Beispiel Teile des Studienprogramms der Hanbat-Universität
in unseren Lehrplan integrieren", fährt Dräger
fort. "Langfristig profitieren auch die Stadt Halle
und deren Einwohner, denn mit internationalen Kooperationen
dieser Art erzielen wir einen Austrahlungseffekt, der weit
über die Universität hinaus wirkt."
Die Sommerschule im Rahmen des Kooperationsvertrages zwischen
der MLU und der HNU wurde mit Mitteln des Deutschen Akademischen
Austauschdienstes (DAAD) und verschiedener Unternehmen finanziert.
Die Zusammenarbeit soll zukünftig intensiviert werden;
vorgesehen ist neben einer Zusammenarbeit in Lehre und Forschung
ein Austausch von Studierenden und Dozenten. Schon in diesem
Jahr wurden eine Gastprofessur und zwei Promotionsstellen
an südkoreanische Interessenten vergeben. Die Planungen
für die Sommerschule 2007 haben bereits begonnen.


Weitere Informationen:
Prof. Dr.-Ing. habil. Joachim Ulrich,
Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
FB Ing.-Wiss., Institut für Verfahrenstechnik/TVT
Tel.: 0345 55-28400
Fax.: 0345 55-27358
E-Mail: joachim.ulrich@iw.uni-halle.de
http://www.iw.uni-halle.de/tvt/
(Paolo Schubert, 09.11.2006)