Spektakuläre Vorfälle bei so renommierten
Unternehmen wie Volkswagen, BMW, Infineon, MTU oder der
Commerzbank haben dem Problem der Korruption neue Aufmerksamkeit
verschafft. Die Öffentlichkeit, aber auch die Politik
und die Wirtschaft sind in einem hohen Maße sensibilisiert.
Die Notwendigkeit einer wirksamen Korruptionsprävention
wird nicht nur international, sondern auch in Deutschland
als immer dringlicher empfunden.
In dieser Situation fällt der Wissenschaft die Aufgabe
zu, den gesellschaftlichen Lernprozess zu begleiten und
durch fundierte Stellungnahmen die Problemlösung zu
fördern. Diese Herausforderung hat
Prof. Dr. Ingo
Pies mit seinem Team am Lehrstuhl für Wirtschaftsethik
der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg angenommen.
Das Ergebnis dieser Forschungsarbeit liegt jetzt als Beitrag
"Prävention von Wirtschaftskriminalität
- Zur Theorie und Praxis der Korruptionsbekämpfung"
in der Reihe der
Wirtschaftsethik-Studien vor.
Diese Studie basiert sowohl auf einer Auswertung der internationalen
wissenschaftlichen Literatur als auch auf Interviews mit
Vertretern der Praxis. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse
werden aus einer dezidiert wirtschaftsethischen Perspektive
betrachtet. Dadurch können Wirkungskanäle und
Ursachen von Korruption identifiziert werden. Die wirtschaftsethische
Analyse liefert die Basis für die Bewertung der Instrumente
der Korruptionsprävention und für die Ableitung
von Handlungsempfehlungen.
Eine zentrale Aussage der Studie ist die Betonung des großen
Potenzials der unternehmerischen Maßnahmen der Korruptionsprävention.
Entgegen des ersten Augenscheins profitieren Unternehmen
nicht von einem allgemeinen Zustand der Korruption. Vielmehr
können alle Unternehmen von einem Zustand allgemeiner
Korruptionsfreiheit profitieren. Allerdings kann Korruption
oft nur im Verbund mit anderen Unternehmen überwunden
werden. Durch geeignete freiwillige Selbstbindungen ist
es den Unternehmen möglich, effizient gegen Korruption
vorzugehen, ohne dadurch wirtschaftliche Nachteile in Kauf
nehmen zu müssen. Die Notwendigkeit eines geeigneten
institutionellen Ordnungsrahmens zur Unterstützung
des unternehmerischen Engagements ist eine weitere wichtige
Feststellung der Arbeit. Die Rahmenbedingungen müssen
so gestaltet sein, dass das Eigeninteresse der Unternehmen
für das Gemeinwohl - die Prävention von Korruption
- fruchtbar gemacht werden kann.
Die Wirtschaftsethik-Studie richtet sich an Wissenschaftler
und Praktiker, die an einem Überblick zum aktuellen Stand
der Diskussion sowie an einem Einblick in die Argumentationsstrategie
der Wirtschaftsethik und an den daraus folgenden Empfehlungen
für die Prävention von Korruption interessiert sind.
Die Studie steht allen Interessenten
hier
zum Download bereit. Auch der Bezug über den Buchhandel
ist möglich (ISBN: 1614-970-X).
Wirtschaftsethik-Studie Nr. 2-2005
Ingo Pies, Peter Sass, Henry Meyer zu Schwabedissen:
Prävention von Wirtschaftskriminalität
Zur Theorie und Praxis der Korruptionsbekämpfung
Ansprechpartner:
Prof. Dr. Ingo Pies, Wirtschaftsethik
Tel.: 0345 55-23420
E-Mail: pies@wiwi.uni-halle.de
(Roland Frank, 10.11.2005)