In der historischen Aula der Martin-Luther-Universität
befindet sich eine 80-jährige Orgel, die zu den interessantesten
und wertvollsten Instrumenten aus der Zeit der Orgelbewegung
zwischen den Weltkriegen gehört. Sie wurde 1926 von Fa.
Wilhelm Sauer (Inhaber Oscar Walcker) in Frankfurt/Oder erbaut,
einem damals führenden Unternehmen von Weltruf. Heute
stellt sie das einzig original erhaltene Zeitzeugnis der Orgelbewegung
im Sinne einer Universitätsorgel dar. Diese Orgel verstummte
in den 80er Jahren und ist bis heute nicht bespielbar.
Dank des Engagements der Ostdeutschen Sparkassenstiftung
im Land Sachsen-Anhalt gemeinsam mit der Stadt- und Saalkreissparkasse
Halle wird es möglich sein, die Orgel endlich zu
restaurieren und als Instrument für das musikalische
Leben der Universität Halle-Wittenberg zurückzugewinnen.
Diese Restaurierung knüpft an die Spende der Stadt-
und Saalkreissparkasse Halle an, mit deren Hilfe bereits
2002 die Wiederherstellung des großen Kronleuchters
für die Aula der Universität ermöglicht werden
konnte.
Am Mittwoch, dem 5. Juli 2006, fand in der Aula
der Martin-Luther-Universität eine Pressekonferenz
aus Anlass der Übergabe der Spende für die
Restaurierung der Sauer-Orgel statt.

An der Sauer-Orgel (v. l. n. r.): Halles Bürgermeisterin
Dagmar Szabados, Student der Musikwissenschaft Michael Wünsche,
Rektor Prof. Dr. Wilfried Grecksch, Rainer Voigt, Vorsitzender
des Vorstands der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und Geschäftsführender
Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes, Kanzler
Dr. Martin Hecht und Friedrich Stumpf, Vorstandsvorsitzender
der Stadt- und Saalkreissparkasse Halle.
Fotos(2): Norbert Kaltwaßer

Lohnende Bereicherung des Musiklebens
"Es handelt sich um eine pneumatisch regierte Taschenladen-Orgel
mit ursprünglich 22 Registern, die seit einer im Jahre
1928 durchgeführten Erweiterung 32 Register zählt.
In dieser Form ist die Orgel bis heute nahezu unverändert
erhalten", erklärt Dr. Holger Brülls,
Orgelsachverständiger vom Landesamt für Denkmalpflege
und Archäologie. "Inspiriert durch die Wiederentdeckung
der Klangwelt früh- und hochbarocker Orgeln des 17.
und 18. Jahrhunderts, entstand hier ein nach damaligen Maßstäben
ausgesprochen experimentelles und innovatives Instrument,
das in ganz eigener Weise die verlorengegangene Klangwelt
des Barock reaktivieren wollte."
Eine vom Landesamt für Denkmalpflege veranlasste provisorische
Inbetriebnahme des Gebläses hat erkennen lassen, dass
die Sauer-Orgel nach gelungener Instandsetzung ein bestechend
klangschönes Musikinstrument mit sehr günstiger
raumakustischer Entfaltung zu werden verspricht, so Brülls.
Die Wiederherstellung dieser Orgel sei daher nicht nur eine
lohnende Bereicherung des akademischen Musiklebens. Sie
erscheine auch besonders dringlich mit Blick auf ihren herausgehobenen
orgelbaugeschichtlichen und musikalischen Wert als Klangdenkmal
ihrer Zeit. Jedwede Förderung des Restaurierungsprojekts
werde daher vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie
mit großem Nachdruck empfohlen, betont Holger Brülls
weiter.
Um die aufwändige Restaurierung des kostbaren und denkmalgeschützten
Musikinstruments finanzieren zu können, gab es an der
Universität bereits Spendenaktionen und Benefizkonzerte.
Umfangreiche Restaurierung
Die Organisation der provisorischen Inbetriebnahme der Orgel
(Auftragsverteilung an Orgelbauer, Mitarbeit beim Motorein-
und -ausbau) sowie die gesamte Archivarbeit übernahm
der engagierte Musikwissenschaftsstudent Michael Wünsche,
der sich zusammen mit Prof. Dr. Wolfgang Auhagen
(Systematische Musikwissenschaft) um die fachliche Beratung
und Unterstützung des Projekts kümmert.
"Die geplante Restaurierung beinhaltet eine vollständige
Überarbeitung des Instruments, um eine möglichst
lange Gebrauchsfähigkeit zu gewährleisten",
sagt Michael Wünsche: "Dazu gehören die grundlegende
Reinigung, Überarbeitung des Pfeifenwerks, Auswechselung
der Taschen der Laden sowie defekter Relais, Instandsetzung
der Traktur, Überholung des Spieltischs und Wiederherstellung
der Winderzeugung. Abschließend soll die Intonation
und eine kammertönige Stimmung im gleichstufigen Stimmungssystem
erfolgen. Dadurch wird es möglich sein, ein breit gefächertes
Repertoire aller Epochen seit Praetorius umzusetzen."
Nutzungskonzept wird erarbeitet
Mit Hilfe der Musikwissenschaft der halleschen Universität
- in Kooperation mit der Evangelischen Hochschule für
Kirchenmusik, dem Akademischen Orchester und weiteren Institutionen
- soll die Orgel für musikalische und repräsentative
Zwecke über die Region hinaus wirken. In diesem Zusammenhang
wird ein Nutzungskonzept erstellt, in dem das einzigartige
Instrument ins kulturelle Leben der Stadt Halle eingebunden
und damit eine dauerhafte Nutzung der Sauer-Orgel sichergestellt
wird (z. B. im Rahmen der Händel-Festspiele). Ein Stück
bemerkenswerter Kulturgeschichte soll bewahrt und der Allgemeinheit
wieder zugänglich gemacht werden.
Ansprechpartner:
Dr. Martin Hecht
Kanzler der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Universitätsplatz 10, 06108 Halle
Telefon: 0345 55-21010/11/12
E-Mail: KANZLER@uni-halle.de