Im Rahmen des von der Robert Bosch Stiftung geförderten
Programms "Denkwerk. Schüler, Lehrer und Wissenschaftler
vernetzen sich" fand am 14. Juni 2007 das dritte Kolloquium
des Teilprojekts "Interkulturelle Kompetenz Kontakt
mit Fremden" statt. Das Teilprojekt ist integriert in
das Netzwerk-Projekt "Herausforderung Mensch" der
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Erneut luden die vier beteiligten Einrichtungen: das Orientwissenschaftliche
Zentrum (Dr. Hanne Schönig), das Department Medien-
und Kommunikationswissenschaften (Sascha Trültzsch,
M.A., Daniela Pscheida, M.A.), das Seminar für Philosophie
(Dr. Uta Eichler) und das Institut für Psychologie
(PD Dr. Lars-Eric Petersen) interessierte Schülerinnen
und Schüler verschiedener Schulen in Halle sowie Droyßig
und Quedlinburg ein, um ihnen grundlegende Kenntnisse und
Arbeitsmethoden ihrer jeweiligen Disziplinen nahe zu bringen.
In der Veranstaltung, die den Abschluss einer dreigliedrigen
Kolloquienreihe bildete, sollten mögliche Kleinprojekte
vorgestellt bzw. mit den Schülern erarbeitet werden.
Aus dem Orientwissenschaftlichen Zentrum stellten sich
zwei weitere Disziplinen vor: Dr. Ute Pietruschka vom Seminar
Christlicher Orient und Byzanz sprach in ihrem Beitrag
"Christen im Orient" über die mediale
Vernachlässigung der christlichen Glaubensgemeinschaften
im orientalischen Raum und erläuterte die Tendenz abnehmender
christlicher Bevölkerungsanteile. Mai Aoki vom Seminar
für Japanologie schilderte in ihrer Ausführung
"Kulturschock Japan?" lebhaft ihre ganz persönlichen
Erfahrungen und erlebten Missverständnisse im Umgang
mit der deutschen Kultur. Hierbei machte sie deutlich, dass
es bei der interkulturellen Kommunikation weitaus mehr bedarf
als bloßer Kenntnis der jeweiligen Landessprache.
Anschließend
stellte Dr. Hanne Schönig vom Orientwissenschaftlichen
Zentrum mögliche Kleinprojekte für die Schülerinnen
und Schüler vor. Denkbar wären hier Themenkreise
wie interkulturelle Ehen/Partnerschaften; Christen und/oder
Muslime in den Medien oder auch die sog. interkulturelle
Literatur. Sascha Trültzsch, M.A., und Daniela Pscheida,
M.A., vom Department Medien- und Kommunikationswissenschaften
führten in ihrem Beitrag "Filme sehen, Filme
verstehen Grundlagen der Film- und Fernsehanalyse"
eine Analyse eines Filmausschnitts durch. Hierfür wurde
eine kurze Sequenz aus dem Film "Kebab Connection"
gezeigt, um anschließend gemeinsam mit den anwesenden
Schülerinnen und Schülern einzelne Elemente und
Besonderheiten wie Normen und Werte, Figuren, Handlung sowie
filmische Bauformen heraus zu arbeiten.
Dr. Uta Eichler vom Seminar für Philosophie begann
ihre Ausführung "Ich und die Anderen 3: Relativismus
oder Universalismus?" mit der These des ethischen
Relativismus, die davon ausgeht, dass es keine allgemein
verbindlichen Urteile darüber gibt, was moralisch richtig
oder falsch sei. Anknüpfend wurde gemeinsam mit den
Schülern nach eventuellen Argumenten für oder
gegen die These gesucht. Es wurde das Spannungsfeld zwischen
Relativismus und Universalismus im interkulturellen Miteinander
aufgezeigt.
Zum Abschluss stellte PD Dr. Lars-Eric Petersen vom Institut
für Psychologie verschiedene Kleinprojekte zum Thema
Stereotype und Vorurteile vor. Er erläuterte die Theorie
der "Kontakthypothese", die aussagt, das
intergruppale Kooperation zum Abbau bestehender Vorurteile
führt, da es zur Entstehung gemeinsamer Ziele käme.
Die Bestätigung oder Widerlegung jener These kann ein
mögliches Kleinprojekt einer Schülergruppe darstellen.
Ferner präsentierte Sara Hauer, studentische Hilfskraft
am Institut für Psychologie, drei weitere Kleinprojekte,
die sich mit der Thematik soziale Diskriminierung und Stereotype
beschäftigen.
Nach Abschluss der Vorträge teilten sich die Schülerinnen
und Schüler je nach Interessenlage einem der vier Institute
zu. Im Austausch mit den Projektleitern kam es zu einer
ersten Diskussion von Projektideen. Im weiteren Projektverlauf
werden zwei Exkursionen nach Berlin stattfinden, bei denen
es durch Besuche interkultureller Zentren zum Austausch
mit Jugendlichen anderer Kulturen kommen soll. Daran schließt
sich im kommenden Schuljahr eine intensive Arbeitsphase
der Schülerinnen und Schüler an den jeweiligen
Instituten unter Betreuung der Projektleiter und wissenschaftlichen
Hilfskräfte an, in der sie eigene Kleinprojekte bearbeiten
werden. Die Ergebnisse sollen im Sommer nächsten Jahres
in einem selbst organisierten Schülerkongress
präsentiert werden.
(Sandra John, 25. Juni 2007)
E-Mail: sunny-john@gmx.de
Organisation und Koordination:
Dr. Hanne Schönig, wiss. Mitarbeiterin
Tel.: 0345 55-24081
E-Mail: hanne.schoenig@owz.uni-halle.de
Orientwissenschaftliches Zentrum
der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Mühlweg 15, 06114 Halle
homepage: www.owz.uni-halle.de