Cholesterin erfüllt im menschlichen Körper wichtige
Aufgaben. Steigt der Anteil dieses Nahrungsfettes im Blut
jedoch über das normale Niveau hinaus, kommt es häufig
zu Arterienverkalkungen und in Folge dessen zu Gefäßverschlüssen,
die im schlimmsten Fall zum Herzinfarkt oder zum Schlaganfall
führen. Vermeiden lässt sich ein zu hoher Cholesterinspiegel
schon häufig durch die richtige Ernährung. Neben
einer Vielzahl von Möglichkeiten zur Cholesterinsenkung,
scheinen auch pflanzliche Eiweiße die Blutfette beeinflussen
zu können. Außer Soja-Bohnen wird dabei Lupinengewächsen
eine cholesterinsenkende Wirkung zugeschrieben. Ob dieser
Effekt tatsächlich nachzuweisen ist, wird seit Beginn
des Jahres am Institut für Ernährungswissenschaften
untersucht.

Doktorandin Dipl. troph. Anja Bettzieche bei der Proteinanalyse,
Foto: P. Schubert
"Eigentlich handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt",
meint Dr. Gabriele Stangl, Professorin für Humanernährung.
Die Kooperation besteht aus 13 Klein- und mittelständischen
Unternehmen, dem Fraunhofer Institut in Freising und der
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Zu den
Firmen gehören außer einem Saatlieferanten, aus
dessen Ernteerträgen die benötigten Proben gewonnen
wurden, hauptsächlich Lebensmittelhersteller. "Sie
würden im Endeffekt von den Ergebnissen profitieren
und könnten mit neuen funktionellen Lebensmitteln weitere
Märkte erschließen", erklärt die gebürtige
Bayerin. Dafür beteiligen sich diese Unternehmen finanziell
am Projekt. Ein zukünftiger industrieller Einsatz sei
in verschiedenen Bereichen denkbar - bei Teigprodukten wie
Pizza, Brot und Pasta und selbst bei der Zubereitung von
Speiseeis.
Erste Testversuche im Reagenzglas
In einem ersten Schritt habe das Fraunhofer Institut die
Proteine aus den Saatproben extrahiert, entfettet und gereinigt.
"In sogenannten In-Vitro-Studien, also in Experimenten
außerhalb des lebenden Organismus, haben die Freisinger
daraufhin geprüft, inwieweit die gewonnenen Proteine
mit Cholesterin wechselwirken", erklärt Stangl.
So habe man feststellen können, dass ein Teil des Cholesterins
von den Lupinenproteinen adsorbiert, also gebunden wurde.
"Wir müssen nun eine richtige Dosis finden, um
eine Wirkung zu erzielen." Außerdem müsse
noch ermittelt werden, unter welchen Bedingungen die cholesterinsenkende
Eigenschaft aktiviert werden kann und welche Wechselwirkungen
mit anderen Nahrungsproteinen bestehen.
Prüfung der Wirkung am Lebenwesen
Derzeit erprobt das Team um Stangl die Wirkung der Proteine
im lebenden System. Dazu werden Blut- und Gewebeuntersuchungen
an Ratten ausgewertet. "Uns interessiert die Wirkung
der Proteine und Proteinbausteine auf tierische Zellen.
Welche Mechanismen greifen? Bei welcher Menge nimmt die
Zelle Schaden? Alles Fragen, die wir klären werden",
kündigt die Wissenschaftlerin an.
Eine Schlüsselstellung nehmen molekularbiologische
Untersuchungen ein. Geprüft werden müsse, welche
Gene bei der Zuführung von Lupinenproteinen aktiviert
werden, um den Cholesterinspiegel auf das normale Niveau
zu senken. "Hierbei sind sogenannte Transkriptionsfaktoren
von Interesse, welche die Bildung von Molekühlen für
die Regulation des Fettstoffwechsels aus den Genen der Erbinformationen
veranlassen", erklärt die Professorin.
Für weitergehende Versuche sind Ratten jedoch nur bedingt
geeignet, da sie kaum Arteriesklerose in ihren Blutgefäßen
entwickeln.
Medizinische Verwertbarkeit testen
Verlaufen die Experimente an den Nagetieren erfolgreich,
können im nächsten Jahr die ersten Untersuchungen
am Menschen durchgeführt werden. Zur Auswertung der
Ergebnisse wird eine Kooperation mit der medizinischen Fakultät
der Otto-von-Guericke Universität in Magdeburg angestrebt.
Bei erfolgsversprechendem Verlauf könnten schon im
Jahr 2008 Produkte auf Basis von Lupinenproteinen in den
Lebensmittelläden erhältlich sein.
Weitere Informationen:
Prof. Dr. habil. oec. troph. Gabriele Stangl
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Institut für Ernährungswissenschaften
Emil-Abderhalden-Straße 26
06108 Halle (Saale)
Telefon: 0345 55-22701
E-Mail: gabriele.stangl@landw.uni-halle.de
(Paolo Schubert, 18. April 2006)