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SYMPOSIUM "HALLE UND JAPAN"
Vielfältige Beziehungen in Geschichte und Gegenwart
  21.06.2006
 
Das Seminar für Japanologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg lädt am Dienstag, 4. Juli 2006, um 18 Uhr zu einem Symposium über das Thema "Halle und Japan - Historische Beziehungen und Perspektiven der Zusammenarbeit" ein. Die Veranstaltung findet im Rahmen des 1200-jährigen Stadtjubiläums sowie des Themenjahrs "Die Welt statt der Provinz. Die internationale Dimension Halles" der Franckeschen Stiftungen statt.

Nach einem Weinempfang ab 17.40 Uhr beginnt eine "Reise" durch die Zeit, bei der einige der vielfältigen Berührungspunkte zwischen unserem Land und dem vermeintlich so entfernten Japan aufgezeigt werden. Zunächst geht es zurück ans Ende des 19. Jahrhunderts, als die ersten japanischen Studenten an der hiesigen Universität forschten. Im Anschluss werden über die Jahrzehnte hinweg die Beziehungen zwischen Halle und Japan speziell im Bereich der chemischen Industrie betrachtet. Nach einer Darstellung der Beziehungen des Landes Sachsen-Anhalts zum fernen Inselreich geht es um Europas führenden unabhängigen Hersteller für hochqualitative Solarzellen, die Q-Cells AG, die sich als konkret mit Japan in Verbindung stehendes, modernes Unternehmen vorstellt. Mit einem Einblick in die lokale Arbeit eines gemeinnützigen Freundschaftsvereins schließlich wird wieder der Ausgangspunkt dieser "Reise" erreicht. Den Abend wird eine Podiumsdiskussion mit den Vortragenden abschließen. Als Zeichen der engen Bindung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zum Partner Japan stehen dabei neben den Gästen aus Industrie und Politik auch Studierende und Absolventen sowie Lehrende des Seminars für Japanologie für Frage und Antwort zur Verfügung.

Geschichte der Beziehungen zwischen der Region um Halle und Japan
Die Beziehungen zwischen Japan und Deutschland allgemein reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück. Deutsche Ärzte und Forscher wie Engelbert Kaempfer und Philipp Franz von Siebold waren damals im Dienste der Niederländischen Ostindischen Kompanie in Japan tätig. Nachdem die japanische Regierung ab 1853 die Politik der Landesabschließung aufgeben musste, wurden bald Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsverträge mit deutschen Gebieten geschlossen. In der folgenden Zeit holte man zahlreiche ausländische Berater ins Land, um mit Hilfe des westlichen Wissens die Modernisierung des Staates voranzutreiben. Viele von ihnen kamen aus Deutschland und einige auch aus Halle. Im Jahr 1879 reiste so David August BRAUNS nach Japan. Er hatte sich fünf Jahre zuvor in Halle habilitiert und sollte nun an der Kaiserlichen Universität Tokyo Geologie unterrichten.
Zur gleichen Zeit schickte man auch junge Japaner nach Europa und Amerika. Fast einhundert von ihnen studierten in Halle und erwarben teilweise ihre Doktortitel hier. Als einer der ersten kam NAGAI Shinkichi im Jahr 1883 nach Halle und erstellte seine Promotion über "Die Landwirtschaft Japans, ihre Gegenwart und ihre Zukunft". Später war er maßgeblich an der landwirtschaftlichen Erschließung von Japans dünn besiedeltem Norden beteiligt.
In den 1880er Jahren schrieben sich zwar nur zehn Japaner zum Studium in Halle ein, die meisten von ihnen wurden aber später umso berühmter. Beispielsweise stieg GÔ Seinosuke zu einer führenden Persönlichkeit in Japans Wirtschaftswelt auf. KANAI Noboru gründete nach deutschem Vorbild den japanischen Verein für Sozialpolitik. NITOBE Inazo, der in Halle promovierte, wurde sogar Vizepräsident des Völkerbundes. Er ist hierzulande bekannt für seine Schriften über den japanischen "Weg des Kriegers" (Bushidô).
In den 90er Jahren den 19. Jahrhundert nahm die Zahl der Japaner in Halle deutlich zu: Unter ihnen waren der spätere Hof- und Innenminister ICHIKI Kitokuro, der führende Agrarwissenschaftler YOKOI Tokiyoshi und ÔKUBO Toshitake, der sich für die deutsch-japanischen Beziehungen engagierte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden beide Länder vorübergehend von Alliierten besetzt, aber bereits 1951 nahm Japan erneut diplomatische Beziehungen zur Bundesrepublik und 1973 zur DDR auf. Gerade in dieser Epoche spielte die Universität Halle eine wichtige Rolle als Brücke nach Asien: Wissenschaftliche Veranstaltungen sollten helfen, die internationale Isolierung der DDR zu durchbrechen. Mit diesem Ziel wurde auch die "Arbeitsgemeinschaft für buddhistische Forschungen in der DDR" 1966 mit Sitz in Halle gegründet.
Beiden Ländern gelangen ein rascher Wiederaufbau und eine beachtliches ökonomisches Wachstum, wodurch auch die wirtschaftlichen Beziehungen immer enger wurden. Für die Region Sachsen-Anhalt spielten besonders die über einen langen Zeitraum gepflegten industriellen Beziehungen zwischen Japan und dem Raum Bitterfeld eine wichtige Rolle. Heute bestehen weiterhin etwa fünfzig Partnerschaften auf kommunaler und regionaler Ebene zwischen Japan und Deutschland. Hierzu zählt auch die Partnerschaft zwischen den Städten Meißen und Arita, die aufgrund der engen Bindungen an die Porzellanherstellung begründet wurde.
Heute pflegt die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg über ihr Seminar für Japanologie einen regen Austausch mit Japan. So wurde z. B. im Januar 2004 die erste deutsch-japanische Fachtagung zu Erneuerbaren Energiequellen in Wittenberg durchgeführt. Die Universität unterhält Beziehungen zu zwei Partneruniversitäten in Japan, der Senshû-Universität und der Sophia-Universität in Tokyo. Außerdem werden jedes Jahr deutsch-japanische studentische Sommerschulen organisiert, die interkulturelle Kompetenz vermitteln und dem Umgang mit der fremden Kultur erleichtern sollen.

Halle und Japan - Historische Beziehungen und Perspektiven der Zusammenarbeit
Dienstag, 4. Juli 2006, 18.00 Uhr s.t.
Weinempfang ab 17.40 Uhr
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Melanchthonianum, Hörsaal B
Universitätsplatz 8/9
06099 Halle (Saale)
Eintritt frei
Programm

Organisation und Koordination:
Nicole KEUSCH
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Seminar für Japanologie
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Telefon: 0345 55-24342
E-Mail: nicole.keusch@japanologie.uni-halle.de
Internet: http://www.japanologie.uni-halle.de/

 
  Ute Olbertz, 21.06.2006
 
     
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