Am Donnerstag, 22.November 2007, werden Prof. Dr. Gunnar
Brands (Seminar für Orientalische Archäologie und
Kunstgeschichte der MLU) und der Kunsthistoriker Prof. Dr.
Heinrich Dilly (i.R.) um 18 Uhr zusammen mit dem Verlag ihren
Sammelband über den ersten halleschen Ordinarius für
Kunstgeschichte Adolph Goldschmidt vorstellen. Der Band enthält
die ausgearbeiteten Referate des internationalen Kongresses,
der vor drei Jahren aus Anlass des 100-jährigen Bestehens
des Instituts (jetzt wieder wie damals: Seminars) für
Kunstgeschichte veranstaltet wurde.
Zu diesem Anlass wird Prof. Dr. Claudia Rückert,
Leiterin des Adolph-Goldschmidt-Zentrums zur Erforschung
der romanischen Skulptur und Juniorprofessorin am Kunstgeschichtlichen
Seminar der Humboldt-Universität Berlin, einen Vortrag
über "Adolph Goldschmidt in Berlin"
halten. Veranstaltungsort ist der Historische Hörsaal
des Löwengebäudes der Martin-Luther-Universität,
Universitätsplatz, Halle (Saale).
Adolph
Goldschmidt (18631944) war neben Alois Riegl, Franz
Wickhoff, Heinrich Wölfflin und seinem Freund Aby M.
Warburg der bedeutendste, schulbildende Kunsthistoriker
Anfang des 20.Jahrhunderts. Wie Warburg stammte er aus einer
Hamburger Bankiersfamilie jüdischen Glaubens. Anders
als Warburg absolvierte er zuerst eine dreijährige
Banklehre in London. Von 1884 bis 1889 studierte er Kunstgeschichte,
Archäologie, Philosophie und Germanistik in Jena, Kiel
und Leipzig. Aufgrund einer Dissertation über die "Lübecker
Malerei und Plastik bis 1530" wurde er 1889 promoviert.
1892 habilitierte er sich mit einer Schrift über den
"Albanipsalter in Hildesheim". Bis 1904 lehrte
dann als Privatdozent und außerordentlicher Professor
neben Herman Grimm und Karl Frey in Berlin. 1904 wurde er
Ordinarius für Kunstgeschichte in Halle an der Saale
und ab 1912 in Berlin. 1927/28 war er einer der ersten,
deutschen Gastprofessoren in Harvard.
Zur Emeritierung 1929 hoch gefeiert und 1936 in Harvard
mit dem Dr. h.c. geehrt, wurde er 1938 gezwungen, in der
Schweiz Schutz vor der nationalsozialistischen Verfolgung
zu suchen. Sechs Jahre lebte er Basel und schrieb dort seine
außergewöhnliche Biographie eines ganz geraden,
empirischen Wissenschaftlers, den Warburg bisweilen Adölphle
nannte. Goldschmidt verfasste Standardwerke über "Die
Elfenbeinskulpturen aus der Zeit der karolingischen und
sächsischen Kaiser" (1914/18), und die "aus
romanischer Zeit" (1923/ 26), über "Die deutsche
Buchmalerei" und zusammen mit Kurt Weitzmann über
"Die byzantinischen Elfenbeinskulpturen des 10.bis
13.Jahrhunderts" (1930). Daneben hielt er u. a. als
Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften
zahlreiche Vorträge und verfasste Aufsätze und
Rezensionen, so dass man ihn mit Erwin Panofsky zu den umfassendst
gebildeten Kunsthistorikern rechnen darf, den auch Künstler,
allen voran Max Liebermann und Edvard Munch, hoch schätzten.
Flyer
zur Veranstaltung
Ansprechpartner:
Prof. Dr. Heinrich Dilly
E-Mail: HeinrichDilly@web.de